Kommt die Inflation?

Kommt die Inflation?

(Foto: Fill Her Up, Snake3yes (CC BY 2.0) auf Flickr)

Mario Draghi, der EZB-Chef, hat sich ein Inflationsziel von 2 Prozent gesteckt. Das ist für jemanden, dessen Auftrag es ist, für Geldwertstabilität zu sorgen, eigentlich ein Armutszeugnis. Denn in 30 Jahren verliert das Geld dann fast die Hälfte seiner Kaufkraft. Draghi macht die Menschen zwangsweise arm. Sie müssen dagegen anarbeiten. Entweder sie werden in ihrem Job befördert, verhandeln individuell mit ihrem Chef um eine Gehaltserhöhung oder lassen dies die Tarifparteien für sich machen. Letztere blasen aktuell die Backen auf. Die IG Metall geht mit Gehaltsforderungen von 6 Prozent in die Tarifverhandlungen und will, dass Arbeitnehmer in eine 28 Stundenwoche flexibel wechseln können, um zum Beispiel einen Angehörigen pflegen zu können. Damit die Gehaltseinbußen nicht zu hoch sind, soll es einen Zuschuss des Arbeitgebers obendrauf geben. Selbstverständlich sollen die Arbeitnehmer später dann wieder zur 35-Stundenwoche zurückkehren können. Ob dies die IG Metall durchsetzen kann, wird sich zeigen. Die Forderung macht aber klar, dass die Gewerkschaften oberhalb des Produktivitätsforschritts einen Abschluss erzielen wollen.

Sehr wahrscheinlich wird ihnen das gelingen. In den meisten Regionen Deutschlands herrscht akuter Fachkräftemangel oder sogar Vollbeschäftigung. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten war noch nie so hoch. Handwerker vertrösten einen auf das nächste Jahr, weil sie mit der Arbeit nicht nachkommen, und vor allem der Markt für Mitarbeiter leergefegt ist. Aber auch Lastwagen- oder Gabelstablerfahrer sind fast nicht zu bekommen. Die Konjunktur in Deutschland läuft auf Hochtour. In diesem Jahr rechnen die Wirtschaftsweisen der Bundesregierung mit 2 Prozent Wachstum, im nächsten Jahr mit 2,2 Prozent. Im 3. Quartal dieses Jahres alleine wuchs die Wirtschaft um 0,8 Prozent.

Vor diesem Hintergrund kann man erwarten, dass die Lohn-Preis-Spirale anziehen wird. Arbeitnehmer werden sich bei Lohnverhandlungen stärker durchsetzen können, weil die Arbeitgeber gar keine andere Wahl haben, als mit den Löhnen nach oben zu gehen, um ihre Aufträge abzuarbeiten. Doch sie werden dies an ihre Kunden weitergeben. Insbesondere im Handwerk ist das zu spüren.

Dies wird zwangsläufig auf die Inflationsrate Auswirkungen haben. Zwar geht die EZB in ihrer Prognose noch davon aus, dass die Inflation im Euroraum in diesem Jahr um 1,5 Prozent und im nächsten Jahr um 1,6 Prozent steigt, doch Mario Draghi wird wahrscheinlich viel schneller den „Erfolg“ seiner Geldpolitik vermelden können. Er wird dies mit gemischten Gefühlen realisieren. Denn seine derzeitige Begründung für sein QE-Programm zum Ankauf von Schulden der Eurozone ist ja gerade, dass die Zielinflationsrate von 2 Prozent nicht erreicht wird. Letztlich dient das Programm, das bis September 2018 2,55 Billionen Euro aus dem Nichts produziert, und die Notenbankbilanz der EZB innerhalb von 10 Jahren um 450 Prozent aufgebläht hat, dazu, die Schuldenstaaten, Unternehmen und Banken günstig zu finanzieren und damit über Wasser zu halten.

Das gelingt derzeit noch. Doch das Beispiel Italien zeigt, dass dies ein Ritt auf der Rasierklinge ist. Gerade wieder wurde dort ein neuer Schuldenhöchststand von 2,28 Billionen Euro gemeldet. Gleichzeitig hat Italien noch nie so wenig für diese Schulden bezahlt. Die 10-jährige Staatsanleihe rentiert mit 2,11 Prozent (September 2017). Das ist weniger als die vergleichbare Staatsanleihe der USA. Sie rentiert aktuell mit 2,37 Prozent. Doch nicht nur die Staaten Südeuropas sind hochverschuldet. Auch die Banken sind es. Ein großer Teil schreibt rote Zahlen. Sie sind vollgesaugt mit faulen Krediten, die nicht mehr ausreichend bedient werden. Mancher spricht schon von Zombiebanken. Gerade dieser Umstand hat dazu geführt, dass der Inflationsdruck bisher gering war. Bislang haben der Verfall des Ölpreises, die Digitalisierung und der wachsende Welthandel die offizielle Inflationsrate niedrig gehalten. Dazu kam, dass die Konjunktur in Südeuropa nicht in Gang kam. Dies lang in erster Linie an den Zombiebanken. Sie hielten sich mit Kreditvergaben zurück, weil sie die hohen Wertberichtigungen ihrer Kreditportfolien fürchten.

Doch wenn jetzt die Inflation in Deutschland besonders ansteigt und die übrigen Staaten der Eurozone mitgezogen werden, was sich derzeit abzeichnet, dann kommt die Inflation in Fahrt und die Begründung Draghis für eine Fortsetzung seines QE-Programmes entfällt. Er steckt daher in einem Dilemma. Leitet er im Euroraum die Zinswende ein, dann gehen die Zombiebanken und die Zombieunternehmen pleite. Macht er dies nicht, dann nimmt die Überhitzung der Konjunktur in Deutschland und anderen Eurostaaten überhand und befeuert die Inflation zusätzlich. Inflation ist dann wie der Ketchup in der Flasche. Wird sie geöffnet, dann dauert es, bis die rote Soße aus der Öffnung kommt. Doch wenn die träge Masse erstmal in Bewegung ist, dann ist sie meist nicht mehr aufzuhalten.

Dieser Beitrag erschien zuerst beim Prometheus-Institut.

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