Absolutismus reloaded: Freiheitsberaubung

Früher hat der Adel seine Bauern zum Frondienst gezwungen. Sie mussten Unkraut jäten und Äcker pflügen. Das war mühsam. Die Gegenleistung dafür war, dass die Bauern vor äußeren Feinden geschützt wurden.

Der moderne Frondienst ist die Vermögensbildung. Bürger müssen mühsam Vermögen bilden, auch und gerade zum Vorteil des Staats. Dieser schützt es vor bösen Feinden – den unberechenbaren Kapitalmärkten, die über den Sparer herfallen, ihn ausrauben und sein Hab und Gut brandschatzen. Davor will der Staat uns Bürger bewahren und sagt mit sanftem Druck, wie und wo wir unser Geld anzulegen haben, in Institutionen wie Versorgungswerken, der betrieblichen Altersvorsorge und in Lebensversicherungen. Da ist es sicher, so das Versprechen. Immerhin sorgt der Staat dafür mit Anlagerichtlinien, Steueranreizen und Garantien. Und noch besser: Diese Institutionen deponieren das Geld ja selbst beim Staat, indem sie seine Schulden aufkaufen. Was könnte sicherer sein?

In Wahrheit geht es um Freiheitsberaubung. Vorbild steht das Modell der geschlossenen Gesellschaft, denn der Staat wird zum Selbstzweck. Der Staat bewahrt die Fassade des von Staats wegen sicheren Vermögens. Risse in dieser Matrix werden zugekleistert, die widersprüchliche Wirklichkeit umgedeutet. Ein Beispiel hierfür ist die offensichtliche Manipulation des Goldpreises. Da spitzt sich die Eurokrise in Zypern erneut zu und die japanische Notenbank druckt sich die Finger wund. Dennoch fällt der Goldpreis.

Wie ehrlich gemeint das Versprechen vom Schutz des Vermögens ist, zeigt eine andere Entwicklung. Der Kampf gegen jedes Sparen außerhalb des staatlichen Schutzsystems hat gerade erst begonnen. Unter dem Banner der Schwarzgeld- und Steuerhinterziehungsbekämpfung werden „Geschäftsmodelle“ von halben Inselstaaten in Frage gestellt und der Zugang zu Offshore-Oasen geschlossen. Italien und Spanien schränken den Bargeldverkehr ein, Zypern verhängt Kapitalverkehrskontrollen und Schweden will das Bargeld ganz abschaffen. All das dient nicht zuletzt dazu, die Wettbewerber des Staats in der Branche der Vermögensbildung auszustechen.

Der Fälscher wird so viel Geld drucken, wie er kann, ohne aufzufallen. Genauso wird der Staat so viel Geld drucken und genau so viel Steuern erheben, dass er damit davonkommt, so viel, dass es nicht zu viel Proteste gibt.

Ursprünglich erschienen in der eigentümlich frei 132.

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