Bitcoin-Diebstahl – Das Geld hat jetzt ein anderer!

Bitcoin-Diebstahl – Das Geld hat jetzt ein anderer!

Als ich kürzlich in Köln auf dem Hauptbahnhof umgestiegen bin, wurde mir meine Geldbörse geklaut. Die darin befindlichen 280 Euro waren weg. Das Geld hat jetzt ein anderer.

Bis heute hat die örtliche Polizei den Täter nicht gefasst. Das ist in höchstem Maße ärgerlich. So sehr mich der Verlust schmerzt, so wenig hat dieser Diebstahl die Stabilität und Sicherheit des Euros erschüttert. Da gibt es bekanntlich andere Baustellen.

Es hat auch anschließend niemand – auch ich nicht – eine stärkere Regulierung der Aufbewahrung von Bargeld gefordert. Die Regierungsbürokraten hätten sich viel einfallen lassen können. „Diebstahlsichere“ Portemonnaies, die Begrenzung von Bargeld in der Hosentasche (zum Beispiel 100 Euro) oder eine zentrale Registrierung des jeweiligen Geldscheins. Nichts dergleichen fand statt.

Das ist umso erstaunlicher, denn genau diese Regulierung wird jetzt von vielen bei der privaten Cyberwährung Bitcoin gefordert. Nachdem kürzlich die größte Handelsplattform Mt.Gox Insolvenz anmelden musste, war der Blätterwald voll von klugen Ratschlägen. So sieht sich die Bundesbank in ihrer Kritik an den unregulierten Bitcoins bestätigt. Vertrauen sei, neben den rechtlichen Rahmenbedingungen, zusammen mit Stabilität und Sicherheit einer der wichtigsten Bausteine einer Währung, so Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Vielen Bitcoineigentümern ist es eigentlich wie mir auf dem Kölner Hauptbahnhof gegangen. Sie sind bestohlen worden. Sie hatten ihre Bitcoins in einer virtuellen Geldbörse bei Mt.Gox in Japan hinterlegt, und jetzt sind sie weg.

Wie bei mir ermittelt die Polizei hoffentlich und findet den Dieb. Wie bei mir ersetzt den Geldbörseninhabern keiner den Schaden. Wie bei mir werden die Bitcoineigentümer künftig besser auf ihr Geld aufpassen, auf mehrere Portemonnaies aufteilen, Geldbörsen noch besser auswählen oder gar nicht mehr nutzen. Wie bei mir ist das Geld (Bitcoins) nicht weg, es hat nur ein anderer. Wie bei mir hat sich der Kurs des Euro und des Bitcoin anschließend nur unwesentlich verändert.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift „Eigentümlich frei“, Ausgabe 141

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