Bruch in der Zone

Kürzlich berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg über eine Studie des Londoner Capital-Economics-Institute zum Thema „Warum die Euro-Zone aufbrechen muss“. Das ist deshalb interessant, weil gemeinhin die These vertreten wird, die Euro-Zone sei eine Win-win-Situation für alle Teilnehmerländer. Ein drohender Zusammenbruch der Euro-Zone würde die Einzelstaaten mit ihren Währungen zu einem Spielball internationaler Spekulanten machen – wie 1992 das britische Pfund. Deshalb seien die Rettungspakete für Griechenland und den Euro-Raum „alternativlos“.

Ganz anders sehen dies nun die Autoren der Studie: Sie meinen, ein Zusammenbruch der Euro-Zone würde die Tür zu neuem Wirtschaftswachstum öffnen – nicht nur für die schwächeren Länder, sondern für Europa als Ganzes. Unter dem Status quo stünden den schwächeren Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte an Depression und Deflation bevor. Deutschland hingegen verlasse sich weiterhin auf den Export für sein Wachstum und dränge die Inlandsnachfrage durch Sparmaßnahmen zurück, was die Exportaussichten der Handelspartner weiter schwäche. Das Ergebnis sei fortgesetzte wirtschaftliche Unter-Auslastung – ironischerweise obwohl die Hauptbefürworter des Erhalts der Euro-Zone behaupten, dies würde zu mehr wirtschaftlichem Wachstum führen.

Das Ergebnis dieser Studie deckt sich mit einem Gutachten der Schweizer UBS im August dieses Jahres mit dem Titel „Die Zukunft des Euro“, in dem ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone prognostiziert wird. Man muss nicht jede Schlussfolgerung solcher Studien teilen, dennoch zeigen sie eines deutlich: Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa wird weiter auseinanderfallen. Der Druck auf die Haushalte der „Olivenländer“ wird damit automatisch größer.

Der Einstieg in die Transferunion ist zwar gemacht, sie ist auf Dauer jedoch nicht finanzierbar. Schon allein deshalb wird die Euro-Zone unter diesen Bedingungen keinen Bestand haben. Politik dauerhaft gegen die ökonomische Realität zu machen wird nicht gelingen – sei sie noch so „alternativlos“.

Dieser Beitrag erschien in „eigentümlich frei“.

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