Christen und Liberale

baader_0Roland Baader warnte seit 1987, einsam wie einst der Prophet Jeremia, vor der mittlerweile eingetretenen Geld-, Finanz- und Moralkrise der westlichen Gesellschaften. Als gläubiger Katholik besaß er die innere Freiheit, liberale Einsichten lautstark öffentlich und gegen den Geist der Zeit zu verkünden. Denn sein Glaube bewahrte ihn davor, ein Kind seiner Zeit sein zu müssen.

Baader war mit seinen Überzeugungen sowohl dem politisch organisierten Liberalismus als auch der sozialdemokratisch angekränkelten römisch-katholischen Amtskirche in Deutschland ein Dorn im Auge, von den protestantischen Landeskirchen ganz zu schweigen. „Die meisten Liberalen“
und man muss hinzufügen: auch die meisten Amtsträger in den Kirchen „der westlichen Welt vertreten die Exklusionsthese, welche besagt, dass im Liberalismus als einer säkularen Weltanschauung kein Platz sei für programmatische Aussagen religiöser Natur.
Religion sei Privatsache und stehe in keinem notwendigen Zusammenhang mit der Freiheitsidee des klassischen Liberalismus. Das mag für den Liberalen als Einzelperson eine mögliche Option sein, für den Liberalismus als angestrebte gesellschaftliche Ordnung ist es das nicht. Die fundamentalen Axiome und Prinzipien des Liberalismus wie Individualismus, Gleichheit vor dem Recht, Vertragstreue und Eigentum sowie seine elementaren Forderungen haben ihre Wurzeln und Fundamente (nicht ausschließlich, aber schwergewichtig) in der christlichen Lehre. Und das bedeutet auch, dass der Liberalismus auf diese religiöse Grundlage angewiesen bleibt“, so Roland Baader in der allerersten Ausgabe dieser Zeitschrift 1998.

Die Realität lehre uns oft besser als die abstrakte Theorie, so Baader weiter, dass Christentum und Liberalismus aufeinander bezogen und aufeinander angewiesen seien, indem sie entweder miteinander bestehen oder miteinander untergehen. Es sei eben kein Zufall, dass im Verlauf des 20. Jahrhunderts in allen totalitären und sozialistischen Zwangsstaaten zugleich mit der Freiheit auch die göttliche Botschaft ausgelöscht wurde. Und es sei auch kein Zufall, dass in den halbsozialistischen Wohlfahrtsstaaten Europas die Kirchen leer geworden und persönliches Mitleid und private Karitas dem sozial-kleptokratischen Umverteilungsbefehl des Staates gewichen sind.

Dieser Beitrag erschien zuerst in eigentümlich frei

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