Deutschland braucht den großen Wurf

barnickel.jpgDer FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler (Herford) hat sich für eine radikale Reform der Einkommen- und Körperschaftssteuer ausgesprochen. Das bestehende deutsche Steuersystem sei unverständlich, kompliziert und leistungsfeindlich. Für einen nachhaltigen Aufschwung sei vor allem eine Stärkung der mittelständischen Wirtschaft und des Handwerks unerlässlich, sagte Schäffler in einem Unternehmer-Gespräch mit Andrea und Bernd Barnickel aus Vlotho-Exter.

Organisiert hatten den Meinungsaustausch mit dem heimischen Polstermöbelhersteller die Ehrenvorsitzende der FDP Vlotho, Marlene Ortmann, Ratsmitglied Siegfried Mühlenweg und Peter Borheck aus Exter. Weitere Informationsbesuche bei mittelständischen Betrieben in Vlotho würden in den kommenden Monaten folgen, kündigten die Ratsherren Ulrich Ammon, Marcel Körtner und Artur Linnenbröker an.

In dem zweistündigen Meinungsaustausch zeigten sich die liberalen Politiker und der Unternehmer Bernd Barnickel einig, dass zu hohe Steuern und Abgaben die Wirtschaft und die Bürger erheblich belasten. Von der Unternehmenssteuerreform sei bei ihm wenig angekommen, berichtete Barnickel, der seit 1972 am Standort Vlotho-Exter hochwertige Polstermöbel herstellt. Sorge bereite ihm auch die von der schwarz-roten Koalition geplante Reform der Erbschaftssteuer. Die bekannt gewordenen Überlegungen der Bundesregierung bedeuteten eine Steuererhöhung um 25 Prozent, bestätigte Schäffler. „Künftig sollen die Bürger statt 3,2 Milliarden Euro etwa vier Milliarden Euro im Jahr zahlen.“ Richtig wäre es laut Schäffler, die Entscheidung über die Erbschaftssteuer auf die Bundesländer zu übertragen. Den Ländern stehe diese zu, deshalb sollten sie auch selbst entscheiden, „ob und in welcher Höhe“ sie die Steuer erheben wollen.

Vor den heimischen Freien Demokraten sprach Barnickel auch den Solidaritätszuschlag an und fragte nach einer Absenkung. Die Antwort fiel dem FDP-Abgeordneten leicht, als steuerliches Sofortprogramm wollen die Liberalen nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr den so genannten „Soli“ von 5,5 auf 3,3 Prozent reduzieren. Schäffler: “ Nur noch 60 Prozent der Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag werden für den Aufbau Ost benötigt.“

Das Traditionsunternehmen habe immer ausgebildet, sagte Barnickel nicht ohne Stolz. Nur mit selbst ausgebildeten Mitarbeitern sei der sich in der Branche abzeichnende Fachkräftemangel zu meistern. Leider mangele es vielen Schulabgängern jedoch an der nötigen Ausbildungsreife, kritisierte der Senior-Chef und plädierte für zweiwöchige Praktika vor dem Einstieg in das Berufsleben. Siegfried Mühlenweg, Pressesprecher der Bielefelder Handwerkskammer, bestätigte „gravierende Lücken“ bei vielen Lehrstellenbewerbern in den Grundfertigkeiten Lesen, Rechnen und Schreiben, aber auch bei den sozialen Kompetenzen. Dies sei ein Grund dafür, dass Lehrstellen oft unbesetzt blieben. Dagmar und Ulrich Ammon sprachen sich für eine Qualitätssteigerung im Bildungswesen aus. Wichtig sei, dass die Erziehungsverantwortung in den Elternhäusern liege.

Das 1922 im sächsischen Niederwürschnitz gegründete Familienunternehmen beschäftigt derzeit 20 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende als Industriepolsterer, berichtete das Unternehmerehepaar, das in dritter Generation den Betrieb führt. Mit Raumausstattermeister Tobias Barnickel, der bereits seit sechs Jahren im Unternehmen tätig ist, steht die vierte Generation zur Übernahme bereit. Beliefert werden vorrangig Kunden in ganz Deutschland, Geschäftsbeziehungen bestehen aber auch zu Partnern in Dänemark, Belgien und Österreich.

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