Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben

Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben

Photo: Amcilrik from Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Geld ist ein Vertrauensgut. Sein Vertrauen bemisst sich an der Qualität des Geldes, das den Bürgern zur Verfügung gestellt wird. In unserem Fiat-Geldsystem, das Geld durch Kredit aus dem Nichts produziert, ist es deshalb erheblich, was die Notenbank tut. Sie ist für die Qualitätssicherung verantwortlich und hat dafür einen umfangreichen Instrumentenkasten.

Jetzt erleben wir einen Einbruch dieser Qualität. Denn die anziehende Inflation ist nichts anderes als ein Qualitätsverlust der eigenen Währung, des Euro; eine Verwässerung. Mehr Geld trifft auf eine relativ geringere Menge an Waren und Dienstleistungen. Dieser Geldüberhang ist seit langem vorhanden: Erst recht seit der Griechenland-Krise 2011 fallen die Geldmenge (M3) und das Bruttoinlandsprodukt als Ausdruck der bewerteten Waren- und Dienstleistungen auseinander. Dies hat bisher nur deshalb die Konsumentenpreise nicht so sehr steigen lassen, weil die zunehmende Globalisierung durch den Warenverkehr mit China dagegengewirkt hat. Das billige Geld ist dennoch in den Güterkreislauf gesickert. Die Entwicklung der Vermögenspreise an den Aktien- und Immobilienmärkten zeigt dies.

Die Pandemie lässt jetzt aber den Globalisierungsmotor stottern. Für die EZB ist dies fatal, weil sie bereits vor der Pandemie massiv Schulden der Euro-Staaten aufgekauft hat und damit den Zins der Staatsanleihen gedrückt hat. Seit der Eurokrise hat sie Anleihen in einem Volumen von 4,6 Billionen Euro erworben. Heute macht es kaum noch einen Unterschied beim Zins aus, ob griechische oder deutsche Staatsanleihen gekauft werden. Der gestrige Beschluss des EZB-Rates, auslaufende deutsche und niederländische Anleihen in griechische umzuschichten, verschärft letztlich eine weitere Qualitätsverschlechterung des Geldes. Das Signal ist, dass die EZB eine höhere Inflationsrate akzeptieren wird.

Die Inflation wird kommen, um zu bleiben. Die Vorboten sind längst da. Ein Indiz dafür sind die Preise im Großhandel. Sie sind ein wichtiger Indikator für die spätere Entwicklung der Konsumentenpreise. Im November sind dort die Preise um 16,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das ist der höchste Anstieg seit 1962. Die Inflationsrate stieg im November auf 4,9 Prozent in der Eurozone und 6 Prozent in Deutschland.

Der Kuratoriumsvorsitzende von Prometheus, Thomas Mayer, hat dies jüngst sehr gut dargestellt: Die Geldmenge (M3) stehe rund 32 Prozent über dem aus der Zeit von 2008 bis 2015 fortgeschriebenen Trend. Zwar werde dieser Trend teilweise durch höhere Geldhaltung und Produktion kompensiert, aber der Rest werde die Preise treiben, so sein Urteil. Entscheidend in seiner Betrachtung ist dabei der Rückgang der Geldumlaufgeschwindigkeit (durchschnittliche, zweifache oder dreifache Rate der Perioden von 2009-2019). Je nach Annahme geht er von Jahresinflationsraten in den kommenden fünf Jahren von 3,7 Prozent bis zu 8,8 Prozent aus.

Die EZB verschweigt oder relativiert dies. Sie lässt es aber geschehen. Denn ein Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes wäre schmerzhaft. Es wäre der kalte Entzug. Doch es ist wie im richtigen Leben: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Dieser Text erschien zuerst auf Prometheus – Das Freiheitsinstitut

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

facebook twitter instagram xing