Erkenntnis des Bankers

Ludwig_von_MisesAls ich vor mehr als zwei Jahren mit einem Vorstandsvorsitzenden einer Bank zusammensaß, sagte er mir: „Herr Schäffler, es gibt drei Möglichkeiten, die Krise zu lösen. Erstens Steuererhöhungen, zweitens Sparen und drittens einen Schuldenschnitt durch eine Währungsreform. Die ersten beiden Möglichkeiten sind die unwahrscheinlichsten!“ Damals wurde mir schlagartig klar, dass das Verständnis für die Ursache der Krise in der Bankenwelt viel weiter fortgeschritten ist, als es öffentlich deutlich wird.

Dem wahrscheinlichsten Szenario haben wir uns seitdem ein ganzes Stück angenähert. Die Schulden explodieren, die Notenbanken intervenieren immer stärker, und Demokratie und Rechtsstaat werden immer mehr geschleift. Freiheit stirbt jeden Tag ein Stückchen mehr. Was mich verzweifeln lässt, ist die Frage, warum sich eine bürgerliche Gesellschaft nicht dagegen wehrt. Was ist es: Lethargie oder Ignoranz? Vielleicht beides. Doch das wäre fatal. Denn wir leben in einer Zeitenwende, die große gesellschaftliche Umbrüche und Veränderungen erwarten lässt. In der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte gab es wahrscheinlich keine vergleichbare Situation. Wäre sie nur auf Europa beschränkt, könnten Kritiker dem europäischen Modell des Wohlfahrtsstaates die Schuld geben. Aber dies wäre zu kurz gesprungen. In Wirklichkeit sehen wir eine weltweite Krise des Papiergeldsystems, das wie ein Schneeballsystem auf immer mehr Kredit und damit Schulden setzt. Es wird aber früher oder später auch wie jedes Schneeballsystem enden. Das Beste an seinem Ende ist die Generationengerechtigkeit. Der Zusammenbruch wird nicht die nachfolgenden Generationen treffen, sondern bereits unsere.

Auf den Spuren von Ludwig von Mises

Das alles ist keine erfreuliche Botschaft, doch die kollektive Verdrängung ist schlimmer. Ich weiß nicht, ob der Banker vor zwei Jahren schon von Ludwig von Mises gehört hatte. Jedenfalls kam der Jahrhundertökonom Mises schon zuvor zur gleichen Erkenntnis: „Was für eine nachhaltige Produktionsausweitung gebraucht wird, sind zusätzliche Kapitalgüter, nicht Geld oder Umlaufsmittel. Der Kreditboom ist auf dem Sand von Banknoten und -einlagen gebaut. Er muss kollabieren.“

Dieser Beitrag erschien zuerst in eigentümlich frei

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