Es werde Geld

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat Mitte November unter dem Titel: „Die Zukunft nicht aufs Spiel setzen“ sein Jahresgutachten 2009/2010 vorgelegt. Ein treffender Titel. Die Wissenschaftler schlagen bei der Diskussion über die Reservewährungsrolle des US-Dollars eine bessere Diversifikation der hohen Bestände an Währungsreserven vor, insbesondere von China und Russland.

Leichter gesagt als getan: China hat durch seine enge Wechselkursbindung an den Dollar inzwischen Währungsreserven in Höhe von 2.175 Mrd. Dollar aufgebaut, Russland immerhin 385 Mrd. Dollar. Ein schneller Abbau dieser Reserven würde zwangsläufig zu einem Kollaps des Finanzsystems führen.

China hat sich jetzt dafür ausgesprochen, den Dollar mittel- und langfristig durch die Quasi-Währung des Internationalen Währungsfonds, das SZR, zu ersetzen. Was nach „Sozialistischem Zwangsraub“ klingt, ist das Sonderziehungsrecht, ein Währungskorb aus US-Dollar, japanischem Yen, britischem Pfund und Euro.

Mithilfe dieses neuen globalen Geldes soll das globale Ungleichgewicht durch einen kontrollierten Ausstieg aus dem Dollar beseitigt werden. Der Vorschlag lautet: Die brüchige Welt der vielen Papiergeldwährungen durch ein globales Währungsmonopol des IWF zu ersetzen. Kurz, das aktuelle Problem damit zu sozialisieren. Der erste Schritt ist gemacht. Der IWF gab im Juli 2009 erstmals auf SZR lautende Schuldscheine heraus. China hat die ersten Papiere mit einem Volumen von 50 Mrd. Dollar gekauft. Indien und Russland haben für die Zukunft ebenfalls Interesse angemeldet. Es werde Geld. Vorsorglich gibt es keine Verschuldungsobergrenze des IWF. John Maynard Keynes kommt wieder aus der Kiste. Seine Weltwährung Bancor, die er 1944 bei der Konferenz in Bretton Woods vorgeschlagen hat, bekommt nach 65 Jahren globalen Rückenwind. Daraus könnte ein Orkan werden.

Dieser Beitrag erschien in „eigentümlich frei“.

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