„Euro-Raum kann so nicht bleiben“

Interview mit den Stuttgarter Nachrichten

Herr Schäffler, nach demEuro-Gipfel in Brüssel tun alle wieder so, als sei alles auf gutem Wege. Ist es das wirklich?
Das wird man erst in den nächsten Tagen sehen. Bisher war jeder Gipfel ein großer Erfolg, und hinterher kam die Ernüchterung. Ich bin eher geteilter Meinung. Der Euro-Raum kann so nicht bestehen bleiben. Einzelne Länder werden aus der Euro-Zone austreten – Länder wie Griechenland und Portugal.

Und damit wären dann dieGrundlagen für einen funktionierenden Euro geschaffen?
Ja. Ich glaube, dass der Euro durchaus eine Zukunft hat. Entweder scheiden Länder aus, und es kommt dann zu einem Kern-Euro, oder man versucht, alle 17 Länder in der Euro-Zone zu halten.Die Folge ist dann eine hohe Inflation. Ich will mich nicht auf Prozentsätze festlegen, aber ich würde sagen: eine galoppierende Inflation.

Kann die deutsche Kanzlerinwirklich etwas tun, um das zu verhindern?
Natürlich kann sie das. Deutschland ist das größte Geberland in dieser Krise. Unsere Bonität und Wirtschaftskraft sind ein starkes Pfund. Deshalb muss Frau Merkel darauf drängen,dass wir zu einem Europa der Rechtstaatlichkeit und der Marktwirtschaft zurückkommen und jeder für seine Risiken haftet und Verantwortung übernimmt.Wir handeln leider in den letzten zwei Jahren nicht danach, sondern wir sorgen dafür, dass die Banken ihre Gewinne privatisieren können, während die Verluste in Europa sozialisiert werden. Das ist das Gegenteil von sozialer Marktwirtschaft. An den schon bestehenden Rettungsschirmen können wir nichts mehr ändern.Aber eine Erweiterung für Griechenland beispielsweise darf es nicht geben. Es muss verhindert werden, dass sich Griechenland und die Banken darauf einigen, den europäischen Steuerzahler mehr bezahlen zu lassen.Das ist ein Vertrag zulasten Dritter.

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