EZB-Zentrale Villa Kunterbunt

Es geht nicht nur Erfreuliches vor an der Themse, wie zum Beispiel die jetzt beginnenden Olympischen Spiele. Gestern hielt EZB-Chef Mario Draghi eine Rede bei der „Global Investment“ Konferenz in London. Der Mann, der für die monetäre Sicherheit von mehreren hundert Millionen Menschen verantwortlich sein soll, lieferte uns ein Lehrstück in Sachen Realitätsverweigerung. Es lohnt sich, diese Rede im Original zu lesen. Den Wortlaut hat die Europäische Zentralbank ins Netz gestellt. Er bezeichnet darin den letzten Gipfel, für dessen Ergebnisse Angela Merkel in Deutschland zu Recht gescholten wurde, als echten Erfolg.

Nicht nur das. Draghi geht so weit, die Situation der sich immer schneller drehenden Schuldenspirale als Verbesserung darzustellen. Die Welt sei völlig anders als vor einem halben Jahr und besser, glaubt er. Dabei verschlimmern sich die Zustände in der realen Welt immer schneller. Selbst seinen größten Beitrag, das Aufblähen der Geldmenge um mehrere hunderttausend Millionen Euro (so viel bedeuten die hunderte Milliarden wirklich) aus dem Nichts, bezeichnet er noch als Erfolg.

Die EZB-Zentrale in Frankfurt ist zu einer Villa Kunterbunt geworden, in der Mario Draghi sich die Welt macht, wie sie ihm gefällt. Aber anders als Pippi Langstrumpf ist er keine Romanfigur, die Kinder unterhält, sondern ein Mann, der bleibenden Schaden in der europäischen Wirtschaft hinterlassen kann.

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