Geprägt durch Ludwig Erhard

In den großen Problembereichen unserer Zeit haben wir es mit einem Versagen der Staatswirtschaft zu tun. Die Währungsunion ist mit ihren politisch festgelegten Wechselkursen im Scheitern begriffen. Auch die bürokratisch organisierte Energiewende steht vor dem Scheitern. Das macht uns Sorgen. Doch einen Ludwig Erhard hätte das wohl nicht geschreckt. Wie stand Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg da? Deutschland war vernichtet und in ein Chaos verwandelt. Unsere Lage ist nicht annähernd so jämmerlich. Und so schlecht wird sie auch wohl nicht werden, obwohl es um den Euro so schlimm steht. Einen Krieg und seine Zerstörungen haben wir nicht zu erwarten.

Vor der großen Aufgabe ist Erhard nicht geflüchtet. Stattdessen ist er sie angegangen und zum Vater unseres Wirtschaftswunders geworden. Deutschland wurde wiederaufgebaut, sozusagen aus dem Nichts, trotz einer erschöpften und hungernden Bevölkerung und einer aufgeriebenen industriellen Basis. Erhard ist seinen Weg gegen Widerstände gegangen, das erforderte Mut. Diesen Mut können wir uns abschauen. Abschauen können wir uns auch seine Handlungsweise. Er hat die Währungsreform gegen die Alliierten durchgesetzt. Das bringt uns seine entscheidende Lehre: Frei am Markt gebildete Preise sind das bedeutendste Instrument für unseren Wohlstand. Sie sind der wichtigste Grund für das Wirtschaftswunder, nicht irgendwelche Marshall-Pläne.

Beherzigen wir diese Lehre auch für Griechenland. Dieses braucht keine Wachstums- und Aufbaupläne, sondern Vertragsfreiheit bei der Preisbildung auf dem Arbeitsmarkt – und in allen anderen Bereichen. Es braucht vor allem eine Währung, die den Griechen freie Preisbildung ermöglicht. Und wir brauchen freie Preise auch hier bei uns. Deutschland ist schon lange kein marktwirtschaftliches Musterland mehr. Mit der Energiewende sind wir an einem neuen Tiefpunkt der marktwirtschaftlichen Verfassung angelangt. Energieplanwirtschaft dominiert das Feld. In den Verwaltungen werden Stromtrassen und der richtige Energiemix samt der dafür vorgesehenen Vergütung über einen Zeitraum von zehn Jahren geplant.

Der Abschied hiervon ist nicht einfach. Nach Erhard „trifft es zweifellos zu, dass der Übergang von der Marktwirtschaft zur Planwirtschaft nicht die geringsten, umgekehrt aber die Ablösung der Planwirtschaft durch eine freie Marktwirtschaft die denkbar größten Schwierigkeiten bietet“. Doch hat uns Erhard auch gezeigt, dass wir mit mutigem Handeln die Misere der Staatswirtschaft hinter uns lassen können, wenn wir nur wollen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in Orientierungen

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