Griechische Komödie: Es wird beleidigt, hintergangen und betrogen

Frank Schäffler schreibt in der Rubrik 'Liberaler Aufbruch' regelmäßig im Magazin 'eigentümlich frei'
Frank Schäffler schreibt in der Rubrik ‚Liberaler Aufbruch‘ regelmäßig im Magazin ‚eigentümlich frei‘

 

Wenn man an dieser Stelle monatlich eine Kolumne schreibt, läuft man Gefahr, dass einen die Aktualität einholt. Diese Gefahr besteht beim Thema Griechenland immer. Es kommt hinzu, dass beim Leser inzwischen eine gewisse Ermattung eintritt. Wer war dieser Tsipras und wer ist nochmals dieser Varoufakis? Und schon wieder Griechenland! Doch ich verspreche es hier hoch und heilig: Im Rahmen dieser Kolumne ist es mein letzter Beitrag zu den Hellenen!

Meine These seit der „Zypern-Rettung“ im Sommer 2013 ist, dass kein Land den Euro verlassen wird und dass kein Land innerhalb des Euro-Clubs pleite gehen darf. Zypern war der ultimative Präzedenzfall. Das Gerede, dass der Austritt Griechenlands seinen Schrecken verloren habe oder dass der Euro-Club auf einen Austritt vorbereitet sei, ist reine politische Lyrik. Es wird nicht so kommen, weil es nicht so kommen darf. Keiner der Geldgeber will das. Keiner der Geldgeber will die aufgelaufenen Hilfen von 325 Milliarden Euro abschreiben müssen. Kein Finanzminister will diese Summen in seinem Haushalt wiederfinden, kein Notenbank-Chef will die Staatsanleihen ausbuchen, und keine IWF-Chefin will das Fass ohne Boden den Amerikanern oder Chinesen erklären müssen. Es gibt nur ein Problem. Wie erklärt man das „Weiter so“ den Steuerzahlern, Sparern und Wählern?

Dafür bedarf es einer Komödie. Deren Drehbuch wird schon seit Monaten geschrieben. In dieser Komödie wird beleidigt, hintergangen und betrogen, am Ende muss aber ein Happy End stehen.

Man wird bis zum Schluss, bis in die frühen Morgenstunden, erbittert um jeden Vereinbarungsfetzen ringen, die Verhandlungen werden mehrfach unterbrochen und dann doch wieder aufgenommen. Und am Ende kommt folgendes heraus: Griechenland bleibt im Euro. Es kommt ein drittes „Hilfspaket“ – das aber nicht so heißen darf. Wer hätte das gedacht? Es werden die Zinsen reduziert und die Laufzeit verlängert – wie praktisch! Und Tsipras lässt sich das ganze Paket durch das Wahlvolk absegnen. In einem Jahr muss ich mein Versprechen, niemals wieder über Griechenland zu schreiben, brechen. Ich mache es einfach wie Angela Merkel: Das ist alternativlos.

Dieser Beitrag erschien zuerst in meiner Kolumne „Liberaler Aufbruch“ in der Zeitschrift „eigentümlich frei“, Nr. 154

 

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