Interview: Die Zinsmanipulation zerstört das Geld und die Gesellschaft

image

Herr Schäffler, der Raubzug gegen die deutschen Sparer geht weiter unter der Überschrift „Euro-Rettungspolitik“. Warum lassen sich die Deutschen das gefallen?

Das billige Geld der Notenbanken und ihre Manipulation des Zinses ist süßes Gift. Es erzeugt einen Scheinwohlstand, von dem viele profitieren. Nehmen Sie nur die Exportindustrie, die von einem billigen Euro kurzfristig profitiert. Oder den Staat mit seinen schuldenfinanzierten Ausgabenwünschen. Oder der Häuslebauer, der sich viel mehr Immobilie leisten kann, wenn der Zins bei 2,0 Prozent als bei 5 oder 6 Prozent steht. Für diese Vorteile nehmen die Bürger sogar eine kalte Enteignung in Kauf. Zumindest stehen sie nicht auf und gehen auf die Straße. Sie spüren es auch nicht unmittelbar, sondern ganz langsam zerstört die Zinsmanipulation das Geld und auch die Gesellschaft.

Sie schreiben in Ihrem Buch, durch billiges Geld würden “Demokratie und Rechtsstaat immer mehr geschleift”. Das logische Ende ist, so leite ich daraus ab, der Totalitarismus. Gibt es noch ein Entkommen?

Ja, klar. Es ist die offene Gesellschaft selbstbewusster Bürger, die aufsteht und sich wehrt. Es gibt inzwischen zahlreiche Freiheitsinseln in Deutschland, die dies erkannt haben. Das Ludwig von Mises Institut Deutschland ist dabei ein wichtiger Pfeiler und Akteur. Vielleicht wird ja mal aus diesen vielen Freiheitsinseln ein mächtiger Kontinent.

Ihre Antwort „Ja, klar“ lasse ich einmal so stehen … Ich merke nur an, dass man daran durchaus Zweifel anmelden kann. – Sie  haben jüngst einen neuen Think Tank gegründet – Prometheus mit Namen. Was ist das Ziel, was dürfen wir von Ihrer Arbeit erwarten?

Wir wollen von Berlin aus als klassisch-liberaler Think Tank in der Tradition der Denkfabriken wie Cato in Washington oder IEA in London im Hayekschen Sinne den Kampf der Ideen führen und gewinnen. Dazu werden wir Kampagnen durchführen, die für Marktwirtschaft ohne Zusatz, für Recht ohne Kompromiss und für das Individuum im Gegensatz zum Staat eintreten. Dazu suchen wir Investoren, die sich für dieses Projekt engagieren wollen.

Sie sind ein Verfechter des freien Marktgeldes. Ist diese Idee in ihren Wahlkreisen auf Verständnis gestoßen? Mussten Sie sich im Deutschen Bundestag nicht wie Don Quijote im seinem Kampf gegen Windmühlen vorgekommen sein?

Die Idee des freien Marktgeldes bzw. einer marktwirtschaftlichen Geldordnung ist für viele Menschen völlig neu. Sie haben sich darüber noch nie Gedanken gemacht. Nur in der praktischen Erfahrung wird das für die Menschen verständlich. Ich glaube, es ist uns bereits gelungen, die Idee bekannt zu machen. Das ist schon mal ein Fortschritt. Mit dem Aufkommen der Cyperwährung Bitcoin gibt es jetzt zum ersten Mal einen ernstzunehmenden Angriff auf das Geldmonopol des Staates. Im übrigen: meinen Kampf für eine marktwirtschaftliche Geldordnung im Bundestag habe ich nicht in der Hoffnung geführt, dass sich die Mehrheit im Parlament von meiner Position überzeugen lässt, sondern dass die Breitenwirkung, die man als Abgeordneter zweifelsohne hat, hilft, um die Botschaft nach außen zu tragen.

Mit Ihrer Erfahrung aus acht Jahren als Abgeordneter des Deutschen Bundestages, kann man von der Politik ernsthaft Schritte hin zu einem “Währungswettbewerb” erwarten?

Nein, politische Veränderungen kommen nicht aus dem Parlament heraus, sondern müssen von wenigen propagiert und entschlossen vertreten werden. Erst dann besteht die Chance, andere in der Gesellschaft zu überzeugen, die dann aus einer Minderheitenposition eine Mehrheitsposition werden lassen. Die Politik oder die Politiker im Parlament sind ganz am Ende des Meinungsbildungsprozesses. Ist etwas im Parlament angekommen, ist es meist zu spät, um es noch grundlegend verändern zu können. Für mich ist die Diskussion um die Energiewende und den Mindestlohn dafür bezeichnend. Sie waren in der Öffentlichkeit von einer Minderheitenmeinung in Teilbereichen der Gesellschaften längst zu einer Mehrheitsposition geworden, bevor der Bundestag darüber entschieden hat. Am Ende hat selbst meine Partei der Energiewende und einem Mindestlohnmodell zugestimmt. So war es leider!

Herzlichen Dank, Herr Schäffler.

Das Interview wurde im September 2014 per mail geführt und erschien im Blog des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Die Fragen stellte Andreas Marquart.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

facebook twitter instagram xing