Jetzt brauchen wir wieder ein Wunder

Jetzt brauchen wir wieder ein Wunder

Viele meinen, Geschichte wiederhole sich nicht. Das ist leider nicht so. Die aktuelle Euro-Diskussion kommt einem daher wie ein Déjà-vu-Erlebnis vor. Als am 9. Februar 1998 155 Wirtschaftsprofessoren in einer Erklärung vor der Einführung des Euro zu diesem frühen Zeitpunkt gewarnt hatten, wurden sie ignoriert. Noch heute ist diese Erklärung sehr lesenswert. So heißt es: „Da Sanktionen nicht automatisch eintreten, dürfte es aber kaum eine qualifizierte Mehrheit für die Anwendung des Paktes geben, wenn eine größere Zahl von Ländern gleichzeitig die Defizitgrenze verletzt. Die Stabilität des Euro kann der Pakt daher nicht sichern.“ So war es dann auch. Heute unterschreiben erneut 189 Wirtschaftsprofessoren einen Aufruf gegen den Plan der Europäischen Finanzminister, den Euro-Rettungsschirm auszudehnen und einen dauerhaften Rettungsschirm einzurichten. In ihrem Appell warnen sie vor den fatalen Folgen für das Gesamtprojekt Europäische Union, sollte das Vorhaben umgesetzt werden. Und dennoch zieht die Karawane weiter.

Als der Deutsche Bundestag am 23. April 1998 über die Einführung des Euro als neue Währung in Deutschland abstimmte, waren es unter anderem die Abgeordneten Otto Graf Lambsdorff und Burkhard Hirsch, die der damaligen christlich-liberalen Koalition die Gefolgschaft versagten. In seiner persönlichen Erklärung bei der Abstimmung im Deutschen Bundestag erklärte der „Marktgraf“: „Ich habe die endgültige Zustimmung davon abhängig gemacht, dass die Kriterien des Vertrages strikt eingehalten werden und dass ihre Dauerhaftigkeit gesichert wird. Ich habe Zweifel, ob die Kriterien wirklich strikt eingehalten wurden. Stichwort: ‚kreative Buchführung‘.“ An anderer Stelle heißt es weiter: „Es ist ausgeschlossen, dass Italien die Marke von 60 Prozent in den nächsten 10 bis 15 Jahren erreichten könnte. Dazu bedürfte es eines Budgetüberschusses von 8,2 Prozent für einen Fünf-Jahres-Zeitraum oder von 2,2 Prozent für einen Zehn-Jahres-Zeitraum. Jetzt hat Italien ein Budgetdefizit von 2,7 Prozent. Veränderungen dieser Größenordnung kann ich nur ironisieren: Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger.“

Jetzt brauchen wir wieder ein Wunder.

Dieser Beitrag erschien in „eigentümlich frei“.

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