Kapitalismuskritik, richtig gedacht

geld.jpgKapitalismus ist eine Gesellschaftsordnung, die auf Vertragsfreiheit und Privateigentum beruht. Der Staat schützt die Eigentumsrechte dabei nicht nur für die Konsum-, sondern speziell auch für die Produktionsgüter. In einer solchen Ordnung steuern die individuellen Nachfragebedürfnisse der Menschen die Produktion dezentral. Unternehmen bieten ihre Produkte und Dienstleistungen unter wettbewerblichen Marktbedingungen an. Dadurch ist eine optimale Versorgung der Bevölkerung sichergestellt; alle profitieren.

Unternehmen, die zu höheren Kosten produzieren als sie Erlöse generieren, scheiden aus dem Markt aus. Wertvernichtende Unternehmen machen so Platz für bessere Alternativen. Der Rechtsstaat setzt durch, dass niemand auf Kosten unfreiwillig Beteiligter agiert (z.B. Umweltschutz). „Gerade der liberale Liberalismus eröffnete mit dem Wohlstand und der Vertragsfreiheit die Möglichkeit, Gutes zu tun aus guter Gesinnung und auf eigene Kosten, während unser Wohlfahrtsstaat Nächstenliebe und freie Solidarität sozialisiert und dadurch die viel beklagte soziale Kälte erst heraufgeführt hat“, bemerkt Professor Gerd Habermann in seinem jüngsten Aufsatz für die „WELT“ richtig: „Der echte Liberalismus ist das Menschenfreundlichste und Sozialste, was es gibt“.

Der „Kapitalismus“ ist aber gerade im Zuge der Geld-, Schulden- und Wirtschaftskrise immer mehr zum Reizthema geworden. Die Kritiker haben dabei jedoch nicht die hier dargestellte liberale Gesellschaftsverfassung im Visier. Sie beziehen sich auf eine andere Art von „Kapitalismus“, der zur Krise, und sozialen Ungerechtigkeiten geführt hat: Kasino-„Kapitalismus“.

Woher kam überhaupt all das Geld, das die Fehlinvestitionen ermöglicht hat? Die Antwort ist einfach: Alles Geld kommt als Kredit in Umlauf. Kreditgeber letzter Instanz ist die Europäische Zentralbank mit ihrem gesetzlich geschützten Monopol auf die Geldschöpfung. Wegen des Geldmonopols können Investitionen nur mittels des Zentralbankgeldes getätigt werden. Dadurch wird die Zentralbank auch zum Investor letzter Instanz. Da jedoch hinter der Zentralbank keine persönlich haftenden Eigentümer stehen, sondern sich diese ihr Geld einfach selbst druckt, sind Exzesse vorprogrammiert. All dies geschieht auf Kosten der Bürger, deren Ersparnisse in Euro sich auf Grund der steigenden Geldmenge entwerten. Die Erstbezieher des neuen Geldes, namentlich die Banken und ihre Manager, profitieren zusätzlich. Schließlich können sie noch zu alten Preisen kaufen. Die Preise steigen danach erst allmählich, wenn das neue Geld voll in Umlauf kommt (Cantillon-Effekt).

Darum ist es nicht verwunderlich, dass die derzeitigen kapitalismuskritischen Proteste im Umfeld der Europäischen Zentralbank in Frankfurt stattfinden. Wer jedoch auf Grundlage eines falschen Geldsystems und dadurch pervertierten Kapitalismus zusätzliche Regulierungen fordert, wird die gegenwärtige Lage noch weiter verschlimmern. Schließlich wird so nicht das Grundübel beseitigt. Um die Krise zu lösen, ist ein evolutionärer Übergang zu einer marktwirtschaftlichen Geldordnung nach „Bauart“ des Nobelpreisträgers Friedrich August von Hayek notwendig. Nur dies wäre konform zu der auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortlichkeit aufbauenden Menschenwürde. Nur so können Entscheid und Haftung wieder zusammengeführt werden. Nur so können unverantwortliche Spekulationen zu Lasten unfreiwillig beteiligter Bürger und künftige Krisen verhindern werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei The European

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