Karl Marx macht den Nikolaus

Karl Marx macht den Nikolaus

(Foto: Action Philosophers‘ Marx vs Rand comic, New York Comic Con, Javitts Center, New York, NY, USACory Doctorow (CC BY-SA 2.0) auf flickr)

So etwas ist wohl nur in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung möglich. Seit Tagen bereitet sich Deutschland auf den 200. Geburtstag von Karl Marx vor. Ganz besonders in seiner Geburtsstadt Trier. Dort werden die Gehsteige gefegt und die Fenster geputzt. Am Samstag wird sogar eine 5,50 Meter hohe Statue des Trierers enthüllt. Die Chinesen haben sie spendiert.

Marx wird auf Portraits meist als der nette Onkel mit dem Rauschebart dargestellt. Er sieht ein bisschen so aus wie man sich den Heiligen Nikolaus vorstellt. Sanftmütig und gütig, eben ein Menschenfreund.

Sogar Springers „Bild am Sonntag“ widmete in ihrer Feiertagsausgabe am „Tag der Arbeit“ dem „großen“ Sohn Triers eine Doppelseite. Schon das allein zeigt die veränderte Gemütslage im Lande. Zu Lebzeiten hätte sich ein Axel Springer wohl eher die Hand abgehackt, als dass er in seinen Blättern über Karl-Marx-Badeenten (5,95 Euro), Karl-Marx-Backformen (5,95 Euro) oder Karl-Marx-Schokolade (2,90 Euro) hätte berichten lassen.

Er ließ es nicht zu, dass in seinen Medien über kommunistische Theorien, Zeitgeister und Denker so verniedlichend berichtet wurde wie heutzutage. Er hatte noch einen Kompass. Diesen musste man nicht gänzlich teilen, aber reiben konnte man sich an ihm. Axel Springer hätte zum Jubiläum wohl eine andere Geschichte verfasst. Eine Geschichte der Irrwege, die Marx formulierte, und der Menschenverachtung jener, die sich später auf ihn berufen haben. Axel Springer hätte wohl das „Schwarzbuch des Kommunismus“ zitiert, das 100 Millionen Tote auf das Konto des Kommunismus verbucht. Allein Maos „Großer Sprung nach vorn“ soll zwischen 1958 und 1962 45 Millionen Opfer gefordert haben. Sie sind schlicht verhungert oder wurden ermordet. Der andere Großversuch in Russland war nicht minder „konsequent“. Hier verhungerten zwischen 1921 und 1922 bis zu 14 Millionen Menschen. In den beiden anderen kommunistischen Regimen Kambodscha und Nordkorea sind je 2 Millionen Tote zu verbuchen. Im eigentlich reichen Venezuela gibt es Güter des täglichen Bedarfs nur noch rudimentär. Die Bürger üben sich in Sarkasmus. Gelbe Aufkleber zieren den Straßenrand mit der Aufschrift: „Kommunismus ist Mangel für alle.“ Die Berichterstattung dieser Tage über Karl Marx erinnert zuweilen an die Verklärung der DDR-Diktatur. Auch hier wird die Geschichte vielfach auf Trabbi und Vita Cola reduziert. Nach dem Motto: Es war nicht alles schlecht…

Marx konnte ein Menschenverachter sein. So sagte er einmal über die Menschen, die seine Revolution verwirklichen sollten: „Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht.“ Seinen Text „Zur Judenfrage“ nennt Hannah Arendt ein „klassisches Werk des Antisemitismus der Linken“. Seinen eigenen Schwiegersohn Paul Lafarge bezeichnete er als „Abkömmling eines Gorillas“. Finanziell ließ er sich bekanntlich zeitlebens vom Industriellensohn Friedrich Engels aushalten. Erstaunlich ist, dass aus diesem zwielichtigen Charakter ein Vorbild einer ganzen Epoche werden konnte. Wahrscheinlich müssen wir uns alle fragen, wieso Sozialisten und Kommunisten immer wieder historisch so verklärt werden.

Eigentlich müsste die Stadt Trier nicht Karl Marx ein Denkmal setzen, sondern dem Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaft, Adam Smith. Zwar ist der nicht in Trier, sondern in Schottland geboren. Dennoch hat er für den Wohlstand, auch der Menschen in Trier und selbst in China, mehr geleistet als alle kommunistischen Theoretiker und Führer zusammen. Denn nicht Karl Marx und seine Theorien haben die Welt verbessert, sondern die Marktwirtschaft und der Kapitalismus. Erst der individuelle Einsatz von Kapital ermöglichte die entscheidenden Produktivitätsfortschritte. Erst die internationale Arbeitsteilung schuf die Basis für Wirtschaftswachstum weltweit. Und erst das Privateigentums ließ die Menschen im eigenen Interesse kreativ werden. Adam Smith hat früh erkannt, dass nur die dezentrale Selbstorganisation in einer Marktwirtschaft geeignet ist, Produkte in ausreichender Zahl, am richtigen Ort und zum richtigen Preis zur Verfügung zu stellen. Ein System, das auf die zentrale Wirtschaftslenkung setzt, auf die Enteignung von Privateigentum baut und auf die marktwirtschaftliche Preisbildung verzichtet, ist zum Untergang bestimmt.

Zum Glück haben die Mehrzahl der Staaten und deren Bürger den Versuchungen von Marx und anderer widerstanden. Nur so lässt sich die Erfolgsbilanz der letzten 200 Jahre erklären. So stieg die Lebenserwartung in Europa seitdem von 35,6 Jahren auf 83 Jahre. Die Kindersterblichkeit ging in der gleichen Zeit weltweit von 42,7 Prozent auf 4,3 Prozent zurück. Der Anteil der Menschen, die 1820 in absoluter Armut lebten, lag bei 94 Prozent. Heute sind es weltweit noch 4,3 Prozent. Und auch die Arbeitszeit ging zurück. In Deutschland betrug 1870 die Wochenarbeitszeit noch 67,7 Stunden, heute sind es noch 35,6 Stunden.

Jene, die Marx und seine Gesellen heute noch verehren, sollten sich einmal die Frage stellen, ob es vorstellbar wäre, dass in einem sozialistischen Land eine Statue von Adam Smith enthüllt werden könnte? Und an die BamS gerichtet, gilt der Satz von Axel Springer: „Es ist die Aufgabe einer guten Tageszeitung, die Dinge beim Namen zu nennen, nicht sie zu beschönigen.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei Tichys Einblick

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