Katholische Tradition statt päpstlicher Irrweg

Die Kirchen tun sich gerade in Deutschland schwer mit der Marktwirtschaft. Gleichzeitig sind sie Teil derselben. Caritas und Diakonie sind die größten Arbeitgeber in diesem Land, und die katholische Kirche ist das älteste „Unternehmen“ der Welt. Dennoch fallen beide großen christlichen Kirchen dadurch auf, dass sie immer wieder gerade mit der Marktwirtschaft hart ins Gericht gehen. Jüngst hat dies Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ getan. „Wir dürfen nicht mehr auf die blinden Kräfte und die unsichtbare Hand des Marktes vertrauen“, schreibt er. Und: „Während die Einkommen einiger weniger exponentiell steigen, sind die der Mehrheit immer weiter entfernt vom Wohlstand dieser glücklichen Minderheit. Diese Ungleichheit geht auf Ideologien zurück, die die absolute Autonomie der Märkte und die Finanzspekulation verteidigen“, so der Heilige Vater.

So erfrischend der neue Papst öffentlich auftritt, so Unrecht hat er in diesem Punkt. Bei allem Respekt, diese Sätze hätte so vielleicht auch von Sarah Wagenknecht formuliert werden können. Der neue Papst verkennt die lange Tradition der christlichen Kirchen bei der Entwicklung der Marktwirtschaft – insbesondere der katholischen Kirche. Thomas von Aquin hat im 13. Jahrhundert die Grundlagen für das Privateigentum geschaffen. Es waren Dominikaner, die im 16. Jahrhundert die Grundlagen für das internationale Recht schufen. Und es waren bereits im 14. Jahrhundert Männer wie der Bischof von Lisieux, Nicolaus von Oresme, der Grundlegendes über die Manipulation des Geldwertes veröffentlich hat.

Wenn Franziskus heute einen Mangel beklagt, „der den Menschen auf nur eines seiner Bedürfnisse reduziert: auf den Konsum“, dann verkennt er die Ursachen dieser Entwicklung. Sie hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun, sondern liegt im Wesen staatlichen Handelns und der Manipulation der Preise durch den Zins, den die Notenbanken und damit der Staat faktisch festlegen. Oresme schrieb dazu: „Nach meiner Meinung liegt die hauptsächliche und letzte Ursache dafür, dass der Fürst die Befugnis zur Münzveränderung beansprucht, im Profit oder Zugewinn, den er daraus ziehen kann. “ Eigentlich kann die katholische Kirche stolz auf diese Tradition sein, auf die sich heute noch die Österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre stützt. Leider wurde die Chance zur Rückbesinnung hierauf von Papst Franziskus nicht genutzt.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift Eigentümlich frei, Nr. 139

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