Kollateralschäden der Bildungspolitik

Bildungsdebatten nerven mich. Jeder kann seinen Senf abgeben, weil er selbst mal in der Schule war. Bildungspolitiker lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen – in Zentralisten und Non-Zentralisten.

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Die Zentralisten wollen alles bundeseinheitlich regeln und planen, von den Abiturprüfungen über die Bildungsinhalte bis zur Länge der Schulzeit. Wenn jemand von Garmisch-Patenkirchen nach Flensburg umzieht, dann muß der Staat den Kindern die gleichen Inhalte und die gleichen Schulsysteme überstülpen, so die Zentralisten. Ordnung muss sein!

Vor einigen Jahren wurde in NRW die Schulzeit auf den Gymnasien von 9 auf 8 Jahre reduziert. Der Übergang war ein Kraftakt mit zahlreichen Kollateralschäden. Plötzlich gab es einen doppelten Abiturjahrgang. Die Hochschulen hatten keinen Platz dafür, der studentische Wohnungsmarkt kollabierte und die größere Anzahl der Abiturienten verdrängte die Gesamt- und Realschüler auf dem Ausbildungsmarkt. Das Planungschaos war perfekt.

Jetzt wird in NRW wieder eine neunjährige Schulzeit auf dem Gymnasium diskutiert. Die Kinder würden überfordert, heißt es. Die Folge einer Rolle rückwärts wäre das gleiche Chaos. Ganze Bildungsbürokratien würden dann wieder in Marsch gesetzt, um alles umzudrehen.

Daran sieht man, zentralistische Entscheidungen haben einen entscheidenden Nachteil. Irren sich die Entscheider, dann müssen die Fehler alle ausbaden. Wird beim Zentralabitur eine Aufgabe falsch gestellt, leiden alle Abiturienten gleichzeitig darunter.

Doch auch bei non-zentralistischen Entscheidungen werden Fehler gemacht. Diese betreffen aber eine kleinere Gruppe. Die Verwerfungen sind geringer, die Vielfalt ist größer und die soziale Kontrolle ist besser, da Verantwortung präziser zugeordnet werden kann. Der Nachteil ist jedoch, dass die Bildungsplaner keinen Überblick haben.

In diesem System des kreativen Chaos könnten die Eltern wählen. Kein Dritter presst die Kinder in ein System, das ihren Anforderungen nicht entspricht.

Und die Gymnasien orientieren sich bei ihren Inhalten und deren Vermittlung am Wunsch der Eltern. Diese wollen eine möglichst gute Ausbildung für ihre Kinder, damit sie den Anforderungen u.a. der Hochschulen gerecht werden. Denn diese Hochschulen sind anders. Sie suchen sich ihre Studenten selbst aus, machen Auswahlgespräche und –tests, deren Inhalte sie festlegen und die zu ihrem Profil passen. Ach, wäre das schön!

Dieser Beitrag erschien zuerst in meiner regelmäßigen Kolumne in der Zeitschrift ‚eigentümlich frei’

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