Kolumne: Die Kleinen fressen die Großen

Kolumne: Die Kleinen fressen die Großen

banner_efWoran liegt es eigentlich, dass Banken in der Finanzkrise Regierungen und Steuerzahler erpressen konnten? Was ist der Grund, dass es Arbeitgeberverbänden und großen Gewerkschaften gelingt, sich zu Lasten der Konsumenten durchzusetzen? Und warum können Windkraftbetreiber und Solarhersteller über Jahre den Stromkunden wie eine Weihnachtsgans ausnehmen?

Es ist die Durchsetzungskraft der kleinen gegenüber der großen Gruppe. Das ist nicht neu, aber immer wieder erfolgreich. Bereits in den späten 1960er Jahre erkannt der Ökonom Mancur Olson die Bedeutung von kleinen Gruppen. Wenn sich kleine Gruppen von gleichgerichteten Interessen zusammenschließen, dann kann ihnen diese enge Beziehung eine Stärke geben, die sie in die Lage versetzt, wesentlich größere Gruppen auszubeuten. Großen Gruppen gelingt diese Interessenbündelung meist nicht. Offenkundig ist dies bei der großen Gruppe der Steuerzahler. Ihnen gelingt es nicht, sich zum Beispiel für das Ziel der Steuersenkung zusammenzuschließen. Die Verlängerung des Solidaritätszuschlags ist das beste Beispiel dafür.

Die Gegner seiner Abschaffung, die Geldausgeber, sind da besser organisiert. Sie formieren sich jeweils, um mehr Straßenbau, mehr Kindergartenplätze, mehr Sozialhilfe, bessere Panzer oder eine ökologische Schulverpflegung durchzusetzen.

Die Bündelung von großen Gruppen gelingt meist nicht und wenn, dann nur, sofern sie mit Hilfe der Staatsmacht zustande kommt und anschließend von ihnen geschützt wird. Der Kammerzwang für Gewerbetreibende oder die freien Berufe sind solche Fälle. Denn es ist nach Olson eigentlich unmöglich, alle Interessen in großen Gruppen zu organisieren. Diese führe aber gleichzeitig zur Abhängigkeit dieser Gruppen vom Staat und zur Benachteiligung der großen unorganisierten und unorganisierbaren Gruppen, die keine Lobby haben und daher keinen Druck ausüben können.

Dies ist auch der Grund dafür, warum die kleine Gewerkschaft GDL die große Gruppe der Bahnkunden fortwährend in Beugehaft nehmen kann, um ihre Interessen durchzusetzen. Die Regierung will jetzt die große Gruppe der DGB-Gewerkschaften durch ein Tarifeinheitsgesetz gegenüber den GDLs dieser Welt schützen. Besser wäre es, wenn sie die Privilegien der Gewerkschaften beseitigen würde, um die Bahnkunden zu schützen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in meiner regelmäßigen Kolumne ‚Liberaler Aufbruch‘ im Magazin ‚eigentümlich frei‘, Nr. 149

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