Kryptokurse am Fallen – die Blockchain lebt

Kryptokurse am Fallen – die Blockchain lebt

Die Kryptokurse mögen niedrig sein; die Blockchain läuft weiter. Bild: Edge2Edge Media auf Unsplash.

 

Die aktuelle Situation auf dem Kryptomarkt lässt wohl nur Alteingesessene und Frühinvestierte ruhig schlafen. So ist vom All-Time-High im August letzten Jahres nicht mehr viel übrig. Stark volatile Kursauf- und -abschwünge sind nichts Neues im Kryptobereich, aber die Gründe des aktuellen Abschwungs schon. Mag Sand ins Getriebe gekommen sein, läuft die Blockchain weiter. Zwei Mehrwerte der Blockchain stechen dabei besonders ins Auge: Ihre Transparenz und Manipulationsresistenz.

Steigende Zinsen nehmen Tech-Markt die Luft

Der Kryptomarkt ist volatil. Alleine viermal ist der Bitcoin um 80 % in Bezug auf den vorherigen Höchstwert gefallen – aktuell sind es etwa 70 %. Dennoch: Vergleicht man den aktuellen Kurs mit dem von vor zwei Jahren, hat sich der Bitcoinpreis verdoppelt. Fiel der Kurs bisher immer aufgrund einer Ernüchterung nach dem Hype, hat dieses Mal der Kursverfall fundamentale Gründe. In Deutschland verzeichnen wir seit Juli 2021 erstmals Inflationsraten ab etwa 4 %. Aktuell liegt sie gar bei etwa 8 %. Inflation, stockende Lieferketten und die allgemeine Marktverunsicherung seit der russischen Invasion der Ukraine lässt Kryptowerte aber auch Tech-Aktien purzeln. Gleichzeitig sieht und antizipiert der Markt, dass die Leitzinsen zur Bekämpfung der Inflation angehoben werden. So wird die FED den Leitzins bis Ende des Jahres auf 3 bis 3,5 % anheben. Die EZB reagiert dagegen sehr zögerlich und hebt im Juli den Hauptrefinanzierungssatz von 0 auf 0,25 % und den Einlagesatz von -0,5 % auf -0,25 % an. Die veränderte Zinssituation führt dazu, dass Anleger eher die Flucht in sicherere Anlagemöglichkeiten wie Value-Aktien suchen. Für den Kryptomarkt wird das eine Marktbereinigung zur Folge haben, die aber bei etwa 10.000 Kryptowährungen nicht schlecht sein muss.

Mehr Transparenz und weniger Willkür durch Blockchain

Bisher lag der Fokus zu sehr auf den Coins wie Ether als auf der dahinterliegenden Blockchain wie Ethereum. Mag aufgrund der tendenziell anhaltenden höheren Zinsen der Kurspreis des Ether weiter unter Druck stehen, läuft die Blockchain weiter. Und diese bietet echte Mehrwerte. So hat sich auf Ethereum ein ganzes Ökosystem rund um Decentralized Finance (DeFi) gebildet. Hinter DeFi steht die Philosophie, Finanzdienstleistungen direkt und ohne Intermediär weltweit diskriminierungsfrei anbieten zu können. Unter vorher festgelegten Bedingungen werden Finanzservices mit Hilfe von Smart Contracts, automatisch ausführbarem Computercode, vermittelt.

Das aktuelle zentralisierte Finanzsystem basiert noch stark auf dem Faktor Mensch. Durch üppige Regulierung und Kontrollen wird versucht, Missbrauch und Betrug zu verhindern. Das birgt Sinn, weil der Fehler zumeist in Unachtsamkeit oder Gier des Menschen begründet liegt. Der Fall Wirecard ist hier nur das prominenteste Beispiel. Dagegen sind Finanzdienstleistungen, die über eine Blockchain und Smart Contracts abgewickelt werden, zu 100 % automatisiert. Wird DeFi stärker in den regulierten Bereich integriert, könnte die Aufsicht statt des Faktors Mensch den Faktor Computercode beaufsichtigen. Diese Idee der „embedded supervision“ (eingebauten Aufsicht), die unter anderem von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ins Spiel gebracht wurde, hat einen großen Vorteil. Nicht weniger komplex, ist Computercode transparent und die Blockchain unveränderbar. Gerade das benötigen wir in der heutigen Zeit: Eine transparentere Welt, die weniger von der Willkür Einzelner abhängig ist. Wir erleben hier womöglich den Keim einer breit greifenden Veränderung.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Ausgabe 2022-27 von Focus Money.

 

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