Kurzer Fahrplan zu einer neuen Geldordnung

goldGeldkartell als Ursprung der Schuldenkrise

Die Schuldenkrise hat ihren Ursprung im Geldwesen. Per gesetzlicher Privilegierung erzeugen die Zentralbanken der Staaten weltweit Geld aus dem Nichts, indem sie zinsbelastete Kredite vergeben. Zusammen mit lizenzierten Geschäftsbanken, die zusätzlich Giralgeld schöpfen, bilden sie ein Kartell. Der Staat sichert dieses Kartell ab, indem er andere Geldformen verbietet. Auch garantiert der Staat mit Steuermitteln für einen möglichen Ausfall beispielsweise des Giralgelds, das nur eine Forderung an Banken darstellt.

EZB: Planwirtschaftlicher Kreditgeber letzter Instanz ist Investor letzter Instanz

Die Zentralbanken sind Kreditgeber letzter Instanz. In Europa ist das die Europäische Zentralbank (EZB). Um Investitionen zu tätigen, wird immer staatliches Geld benötigt. Und dieses Geld wird in letzter Instanz immer von der Zentralbank nach technokratisch-planwirtschaftlichen Grundsätzen ausgereicht. Die Zentralbank ist darum auch Investor letzter Instanz und schafft so eine monetär bedingte Planwirtschaft.

Verantwortungslosigkeit: Wenn Haftung und Entscheidung nicht zusammen fallen

Dabei gibt es jedoch keinen persönlich haftenden Eigentümer. Das Risiko dieser Investitionen wird über den Geldwert, den sie gefährden, auf alle Bürger sozialisiert. Entscheid und Haftung fallen nicht zusammen. Eine Bürokratenelite entscheidet und alle anderen haften. Die Verantwortlichen in einer Zentralbank verfügen dabei weder über den Anreiz, noch über das bessere Wissen, um gute Investitionen zu tätigen. Anreiz und Wissen dazu können nur bei persönlich voll haftenden und dezentral agierenden Investoren liegen.

Hayek: Wirtschaftsnobelpreis für Entstaatlichung des Geldes

Nur weil Entscheid und Haftung in der Vergangenheit nicht zusammenfielen und die Zentralbank zum Vorteil weniger beliebige Mengen Geld erzeugen konnte, kam es zu unverantwortlichen Investitionen und zur Weltwirtschafts- und Schuldenkrise. Für die in seiner Krisen- und Konjunkturtheorie beschriebene scheinbar einfache Erkenntnis, dass das gesetzliche Geldmonopol Wurzel schwerer Finanz- und Wirtschaftskrisen ist, erhielt Friedrich August von Hayek 1974 den Wirtschaftsnobelpreis.

Geld entsteht immer im Marktprozess und nie allein aus dem Nichts

Die Geldordnung der Zukunft muss darum ordnungspolitisch betrachtet ein einziges simples Kriterium erfüllen: Entscheid und Haftung müssen zusammenfallen. Das bedeutet, dass alles Geld sein kann, worauf dieses Kriterium zutrifft. Es mag für manche unglaublich klingen, ist jedoch wahr: „Der Markt“, also frei handelnde Menschen, bringen dieses Geld von ganz alleine hervor. Geld muss immer ein Gut sein, das nicht nur als Tauschmittel alleine Wertschätzung erfährt. Wie sonst könnte ein Gut zum Geld werden, wenn niemand vorher dessen Marktwert im Austausch gegen andere Güter kennt? Wer sollte den Wert eines bedruckten Papiergeldes kennen und in Folge als Geld nachfragen, wenn es einfach aus dem Nichts entsteht? Solches Geld kann nicht sein, wie Ludwig von Mises durch sein Regressionstheorem des Geldes in seiner Habilitationsschrift „Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ logisch aufzeigt.

Das System von Bretton-Woods: Reste von Marktwirtschaft

Auch unser heutiges Geld baut auf einem Gut auf, das sich einst durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt als allgemeingebräuchliches Tauschmittel herauskristallisierte. Dieses Gut ist Gold. Erst 1971 entkoppelte der amerikanische Präsident Nixon den Dollar als Umlaufsmittel vom eigentlichen Geld, dem Gold. Bis dahin waren im Bretton-Woods-System fast alle wichtigen Währungen der Welt durch feste Wechselkurse an den Dollar und somit ans Gold gekoppelt. Die Währungen waren nichts anderes als eine Forderung, bzw. Geldzertifikat oder Geldsurrogat auf Gold. Auch dieses politische System erlaubte jedoch bereits keinen freien Markt mehr, da die Staaten Gold als Hinterlegung und Geld fest vorschrieben. Das System baute lediglich auf der marktwirtschaftlichen Vergangenheit auf, aus der sich Gold als allgemein gebräuchliches Tauschmittel herauskristallisiert hatte.

Weltweites Papiergeldexperiment: Einmalig in der Menschheitsgeschichte

Seit erst rund vierzig Jahren findet ein einmaliges Experiment in der Menschheitsgeschichte statt: Weltweites Papiergeld ohne direkten Bezug zu einem marktwirtschaftlichem Geld. Als Nixon die Einlösepflicht des Dollars in Gold aufhob, fand nichts anderes statt, als eine Enteignung aller Geldhalter. Der Dollar und mit ihm alle anderen Papierwährungen konnten entsprechend des Regressionstheorems nur bis heute überleben, weil es für sie auf Grund ihrer Goldvergangenheit bereits einen Marktpreis gab. Natürlich hat es immer wieder regional begrenzte Versuche mit durch Staatsgewalt abgesichertem beliebig vermehrbarem Papiergeld gegeben. Diese Versuche sind bisher immer gescheitert, weil der Wert dieses Geldes auf Grund der Bereicherungssucht der es beherrschenden Klasse ins Bodenlose fiel.

Profiteure billigen Geldes: Ihre Gier zerstört Geldwert und Realwirtschaft

Vom billigen Geld profitieren schließlich die Erstempfänger des neuen Geldes, weil sie reale Güter noch zu alten Preisen kaufen können. Erst allmählich entwertet sich dann das Geld, wenn es voll in Umlauf kommt. Diese Umverteilung über politisches Geld von „Unten“ nach „Oben“ nennt man Cantillon-Effekt. Die Erstempfänger des neuen Geldes sind namentlich die Verantwortlichen in den Banken und Regierungen. Dass diese Klientel den Geldwert und mit ihm die Realwirtschaft und Wirtschaftsmoral wieder gänzlich zerstört, kann noch vermieden werden. Ein evolutionärer statt revolutionärer Übergang begleitet durch Zentralbanken und Politik ist möglich.

Hin zur marktwirtschaftlichen Geldordnung: Evolution statt Revolution

Noch hat der Euro trotz Vervielfachung der Geldbasis in den vergangenen Jahren seit Ausbruch der Wirtschafts-, Schulden und Eurokrise einen Wert. Noch genießt der Euro einen Rest an Vertrauen. Dies sollte man nutzen, um parallel andere, von den Geldnachfragern frei gewählte Geldarten zuzulassen. Die Geldnachfrager würden dabei nicht schlagartig auf den Euro verzichten und auf werthaltigere Geldarten umstellen. Ein gewisser Kennenlern- und Gewöhnungsprozess müsste erst einsetzen. Gleichzeitig wäre die EZB in diesem Wettbewerb gezwungen, ihr Geldangebot zu verknappen, um den Wert des Euros gegenüber anderen Geldarten sicherzustellen und attraktiv zu bleiben. Auch dies würde der schockartigen Abwanderung in andere Geldarten wie Gold entgegenwirken. Gleichzeitig würde es auch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis die Banken eine Infrastruktur aufbauen. Diese braucht man für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in anderen Geldarten als Euro, etwa die Bereitstellung von auf Gold lautenden Giralgeldern.

So sieht die Zukunft einer marktwirtschaftlichen Geldordnung aus

In einer solchen freien und marktwirtschaftlichen Geldordnung könnte jeder seine Geldnachfrage selbst bestimmen. Die Nachfrage würde sich das stabilste Geld von ganz alleine suchen. Das Geldangebot wäre bestrebt, diese Nachfrage zu bedienen. Kein Chaos und Nebeneinander schier endloser Geldarten wäre die Folge. Ganz im Gegenteil würden sich wie durch das Regressionstheorem beschrieben einige Geldarten wie Gold und Silber herauskristallisieren. Auch Geldarten wie der Bitcoin könnten sich – wo vorteilhaft – in Nischen durchsetzen. Diese Geldarten sind naturgemäß nicht beliebig vermehrbar, was das Missbrauchspotential geringstmöglich hält. Die Menschen entscheiden frei, wie viele Geldarten sie im Austausch verwenden möchten und inwiefern sie zusätzliche Transaktionskosten durch mehr Geldarten in Kauf nehmen möchten oder nicht. Der Wettbewerb stabilisiert dieses System.

Die Argumente der Marktgeldskeptiker laufen fehl

Die Vorteile des Wettbewerbs liegen auf der Hand. Wer etwa würde ernsthaft argumentieren, Computer, Autos, Industrieroboter oder Medikamente seien zu komplex, als dass man sie im Wettbewerb der freien Wahl der Konsumenten überlassen dürfe und stattdessen diese Produkte als Monopol über den Staat anbieten muss? Wer würde ernsthaft argumentieren, der Vergleich verschiedener Anbieter dieser Produkte würde den Konsumenten überfordern und zu hohe Transaktionskosten einführen, weswegen man nur ein einziges staatliches Monopol zulassen dürfe und beispielsweise statt normaler Autos wieder den Trabbi produziert? Diese Vorstellungen sind geradezu absurd, werden aber für das Produkt Geld immer wieder aufgeführt. Dabei ist Geld viel weniger komplex und transaktionskostenintensiv als viele andere Produkte. Selbst ein Bleistift hat eine höhere Komplexität. Niemand auf der Welt kann ihn allein herstellen. Es gilt: Eben weil Geld so einfach zu verstehen und zu gebrauchen ist, entwickelt es sich ja überhaupt zum allgemeingebräuchlichen Tauschmittel.

Die Rolle des Staates in der marktwirtschaftlichen Geldordnung

Freilich muss der Staat Regeln bereitstellen, die die Freiheit, Freiwilligkeit und den Eigentumsschutz der Bürger auch beim Geld sicherstellen. Niemand soll auf Kosten anderer wirtschaften, sondern alle nur zum gemeinsamen Vorteil. So darf in einer marktwirtschaftlichen Geldordnung beispielsweise keine Bank ein Konto anbieten und vorgeben, dies zu hundert Prozent mit dem eingezahlten Geld zu hinterlegen, wenn sie dies gar nicht tut, sondern das Geld weiter verleiht. Das ist Betrug, denn der Kunde muss klar erkennen können, zu welchem Teil sein Kontoguthaben und Giralgeld eine bloße Forderung gegen die Bank darstellt und somit einem Ausfallrisiko unterliegt (Geldsurrogat) und zu welchem Teil das Kontoguthaben voll durch Geld im Banktresor hinterlegt ist (Geldzertifikat). Wird zugesagt, das eingezahlte Geld voll zu hinterlegen, muss dies auch eingehalten werden. Freilich kann jede Bank darauf verzichten, Hinterlegungszusagen abzugeben. Dann wäre auch Giralgeldschöpfung wie heutzutage möglich. Den Weg hin zu dieser marktwirtschaftlichen Geldordnung zur Lösung der Schuldenkrise haben Norbert Tofall und ich in unserem Paper „Währungswettbewerb als Evolutionsverfahren“ für das Liberale Institut bereits im März 2011 ausführlich dargelegt. Die Banken und Regierungen haben nur eine gewisse Kontrolle über das Geld, da es immer ursprünglich aus einem freien Marktprozess heraus entsteht. Die ökonomischen Gesetze gelten unabhängig von Politik. Auch das staatliche Geldmonopol lässt sich nicht beliebig missbrauchen, da der Geldwert irgendwann derart sinkt, dass niemand mehr dieses Geld annimmt. Und das wertlose Geld lässt sich dann auch nicht mehr durchGewalt und Zwang gegen andere Geldarten verteidigen. Die Rückkehr zu und Fortentwicklung einer marktwirtschaftlichen Geldordnung ist somit zwangsläufig. Die Frage ist nur, ob der Weg dahin vernünftig, weil rechtzeitig und evolutionär eingeschlagen wird. Die Alternative ist der fortgesetzte Exzess des Geldmissbrauchs und ein logisch nachfolgender schockartiger Umbruch wie etwa nach der Weltwirtschaftskrise 1929. Noch könnten wir diesen totalen Exzess stoppen. Aber auch wenn der Geldsystemzusammenbruch schlagartig kommt, ist es wichtig, dass die Bevölkerung dann bereits die richtigen Lösungen kennt und entsprechende Fachleute an den richtigen Stellen sitzen, um einen Neubeginn zu ermöglichen. Genau dies streben kluge Politiker und Ökonomen weltweit an, um einen Rückfall in totalitäre, menschenfeindliche und sozialistische Systeme als archaische Antwort auf die Fortsetzung der Krise zu verhindern. Wann hat Noah die Arche gebaut? Vor der Sintflut!

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Sonderausgabe „Währungsreform und neue Geldsysteme“ von Börse GO

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

facebook twitter instagram xing