Lachen oder weinen

Griechenland wird für seine Sanierungsanstrengungen gelobt. Bei den Berichten über die hellenischen Budgetzahlen weiß man jedoch nicht, ob man lachen oder weinen darf. So sollten laut Vereinbarung mit Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds die Einnahmen Griechenlands von Januar bis Oktober um 8,7 Prozent gesteigert werden, tatsächlich waren es 3,7 Prozent. Ziel war es, die Ausgaben im gleichen Zeitraum um 7,8 Prozent zu reduzieren. Tatsächlich schafften die griechischen Bürokraten lediglich eine Kürzung um 7 Prozent. Von sozialistischer Planerfüllung kann man da noch nicht sprechen. Der „Genickbruch“ der Zahlen ist die Ausgangsbasis dieser Berechnungen: das griechische Defizit 2009. Ursprünglich meldete der griechische Staat ein Defizit von 3,7 Prozent nach Brüssel. Die neue Regierung Papandreou korrigierte die Zahlen auf 12 bis 13 Prozent, wenige Wochen später auf 13,6 Prozent, jedoch mit dem Hinweis, dass es eventuell noch Korrekturbedarf nach oben gebe. Inzwischen geht man von einem Defizit von mindestens 15,4 Prozent aus – vorläufig. Umso erstaunlicher ist es, dass der griechische Staat in der Lage ist, unterjährig festzustellen, wie sich die Einnahme- und Ausgabenentwicklung pro Monat vollzieht. So betrug das Defizit von Januar bis August genau 14,493 Milliarden Euro, verglichen mit 21,382 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2009.

Was lehrt uns das? Erstens: Das Defizit Griechenlands ist wesentlich höher als das, was von EU und IWF für die Berechnung des Sparprogramms zugrundegelegt wurde. Der griechische Staat muss daher nicht 30 Milliarden Euro einsparen, sondern erheblich mehr, wahrscheinlich mindestens 35 Milliarden Euro. Zweitens: Glaube nur den Statistiken, die du selbst gefälscht hast.

Dieser Beitrag erschien in „eigentümlich frei“.

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