Lehren aus der FTX-Pleite

Lehren aus der FTX-Pleite

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Schon wieder werden Bitcoin und Co. totgesagt. Für viele Beobachter ist die Pleite der auf den Bahamas ansässigen Handelsplattform FTX ein Indiz für die Anfälligkeit der Token-Economy für Betrüger und Scharlatane. Der Zusammenbruch von FTX, dem bislang zweitgrößten Marktplatz für Kryptoassets der Welt und vor allem in den USA beliebt, wurde ausgerechnet vom größten Player Binance ausgelöst. Dieser kündigte an, seine von FTX herausgegebenen Token FTT auf den Markt zu werfen. Dies führte zu einem Absturz der Token von 25 US-Dollar auf aktuell etwa 1,30 US-Dollar. Anschließend kündigte Binance-Gründer Changpeng Zhao (genannt CZ) an, FTX zu übernehmen, zog dieses Angebot jedoch anschließend zurück. Hintergrund sind wohl desaströse Compliance-Regeln und Betrug. Mit FTT-Token besicherte Einlagen der Kunden wurden an den Hedgefonds Alameda Research, der zum FTX Konglomerat gehört, ausgeliehen. Als der Token ins Bodenlose fiel, waren die Sicherheiten und damit auch die Einlagen (Bitcoin, Ether, etc.) verloren. Die zugrunde liegenden Kryptowerte sind daher nicht in Nichts aufgelöst, sie gehören aber jemand anders.

Dieser Vorgang offenbart mehrere wichtige Erkenntnisse. Erstens ist man auch in der Kryptowelt vor Betrug nicht geschützt. Zwar sind die auf der Blockchain-Technologie basierenden Kryptowährungen wie Bitcoin oder auch Ether (auf der Ethereum-Blockchain) fälschungssicher. Das bedeutet, dass bislang niemand, die durch Kryptographie erzeugte Blockchain knacken konnte. Die oft erwähnten Hacks setzen bei den Schnittstellen und Smart Contracts an. Zweitens: Im Markt haben sich zentrale Intermediäre gebildet, die das Handeln und Verwahren von Bitcoin und Co. übernommen haben. Zwar kann man seine Bitcoins (und andere Kryptowährungen) auch auf einer self-hosted Wallet, also in einer dezentralen und selbst verwalteten Geldbörse aufbewahren, auf die niemand außer einem selbst Zugriff hat. Viele nutzen diese Möglichkeit aber nicht aus Bequemlichkeit und aus Angst vor dem Verlust der Krypto-Assets, falls man seinen private key vergisst. Sie vertrauen daher ihre Bicoins und Co. zentralen Handelsplätzen an. In den USA sind diese Handelsplätze jedoch – aktuell – nur schwach oder gar nicht reguliert.

Hinzu kommt, dass die Nutzer ihre Bitcoins und Co. gar nicht mehr im eigentlichen Sinne besitzen. Dafür benötigen sie neben dem public key auch den private key. Letzter weist jemand als den eigentlichen Besitzer des Bitcoin aus. Werden die Bitcoins jedoch auf einer zentralen Plattform verwahrt, ist die Handelsplattform im Besitz des private keys. Der Einleger hat wie bei seiner Bankeinlage auf dem Girokonto oder dem Sparbuch lediglich eine nachrangige Forderung gegenüber der Handelsplattform. Anders als bei Wertpapieren wie Aktien oder Investmentfonds, wo Banken oder Börsen diese als Sondervermögen betrachten müssen und das Eigentum beim Anleger verbleibt, ist dies bei Kryptowerten auf Handelsplattformen oder Börsen anders.

Dieser Sachverhalt offenbart eine Schwäche, die regulatorisch gelöst werden muss, um das Vertrauen in diese Marktplätze zu sichern. Letztlich benötigen diese Handelsplattformen eine vergleichbare Regulierung wie Wertpapierbörsen oder Investmentfonds. Assets müssen als Sondervermögen betrachtet werden, die nicht ohne Zustimmung des Einlegers verliehen oder weitergereicht werden dürfen. Auch muss es eine Gewähr für eine beste Ausführung eines Kauf- oder Verkaufsauftrages geben. Auch hier gibt es eine Grauzone, die transparenter werden muss.

Kryptoassets entwickeln sich immer mehr zu einer Anlageklasse, die private und institutionelle Anleger nutzen und schätzen. Das Potential ist gewaltig: sei es als Sicherheit im Zeitalter unsicherer Weltkonjunktur, sei es als Freiraum für Menschen in Autokratien und Diktaturen. Damit dies so bleibt, kommen wir um eine stärkere Regulierung der Intermediäre nicht herum. Diese Regulierung darf jedoch nicht am Bitcoin und Co. selbst ansetzen, sondern muss die Betreiber von Börsenplätzen und Handelsplattformen im Fokus behalten. Unter diesen Voraussetzungen können die Blockchaintechnologie und auch Kryptowährungen die Dezentralität und technologische Souveränität hierzulande stärken.

Der Artikel erschien zuerst bei Prometheus – Das Freiheitsinstitut

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