Interview: „Wulff hat Recht“

Interview mit der Neuen Frankfurter Presse vom 25. August 2011

Wie beurteilen Sie die Kritik von Bundespräsident Wulff an der Europäischen Zentralbank (EZB)?

SCHÄFFLER: Ich halte seine Äußerungen für sehr wichtig. Denn die EZB begeht einen fortgesetzten Rechtsbruch, indem sie Staatsanleihen überschuldeter Euroländer aufkauft und damit die Schulden sozialisiert. Dass der Bundespräsident dies thematisiert, hat eine sehr weitreichende Bedeutung, welche die Bundesregierung nicht ignorieren kann. Denn letztlich muss Wulff alle Gesetze unterschreiben, bevor sie bei uns in Kraft treten können.

Nicht nur Sie, sondern auch andere Abgeordnete von FDP und Union haben große Vorbehalte gegen die bisherigen Maßnahmen zur Euro-Rettung. Halten Sie es für realistisch, dass die Koalition dabei keine eigene Mehrheit zustande bringt?

SCHÄFFLER: Das halte ich für möglich. Ich halte es sogar für wahrscheinlich bei künftigen Rettungsschirmen, die ohne Zweifel kommen werden.

Wie kommen wir aus der Falle raus?

SCHÄFFLER: Wir sind jetzt erst mal drin in der Transferunion, aber irgendwann werden Länder wie Griechenland oder Portugal vielleicht erkennen, dass sie in der Zwangsjacke des Euro stecken und überlegen, auszutreten. Die Zahlerländer könnten auch aus dem Euro austreten. Ansonsten droht bei uns Inflation. Dann geht es an die Grundfesten unserer Demokratie. Darauf wollte Wulff, glaube ich, aufmerksam machen.

Zerstörung des Sparvermögens

Interview mit Smart Investor vom August 2011

Smart Investor: Herr Schäffler, im Jahre 2010 fielen Sie der breiteren Öffentlichkeit erstmalig mit Ihrer Kritik an der sogenannten Griechenland-Hilfe auf. Was trieb Sie um?
Schäffler: Die Sorge um eine freiheitliche Gesellschaft. Was wir machen, wird unweigerlich zu einer großen Inflation führen. Denn bei der Krise handelt es sich um eine Überschuldungskrise von Staaten und Banken, die wir mit noch mehr Schulden lösen wollen. Am Ende zerstört dies das Sparvermögen der Bürger und damit die Mitte der Gesellschaft.

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