Smart Investor: Schuldner haben den mächtigsten Verbündeten

Smart Investor: Schuldner haben den mächtigsten Verbündeten

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Ende November scheiterte mit der so genannten „Goldinitiative“ eine Volksabstimmung in der Schweiz, die den Franken zu 20 Prozent mit Gold unterlegen und die teilweise im Ausland lagernden Goldbestände in die Schweiz zurückholen wollten. Gleichzeitig sollte die Schweizer Nationalbank gehindert werden, die Goldbestände zu veräußern.

Trotz der klaren Niederlage sind die 22,7 Prozent, die die Initiatoren erreicht haben, ein Achtungserfolg. Immerhin haben über 580.000 Schweizer für die Goldbindung des Schweizer Frankens gestimmt. Lange Zeit dachte man an einen Überraschungscoup. Die Befürworter waren zu Beginn kreativer, schneller und überraschender in ihrem Auftritt. Aber irgendwann zur Mitte und in der Schlussphase vor der Abstimmung am 30. November schlug die Übermacht der Etablierten zurück. Diese Wucht der Medien, Banken, der Schweizer Notenbank, der Industrie, der Tourismusbranche und der Sozialisten in allen Parteien hatten die wackeren Kämpfer um Lukas Reimann, Ueli Schluer und Luzi Stamm nichts mehr entgegenzusetzen. Dennoch bleibt ihr Verdienst, die Geldpolitik in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt zu haben. Gescheitert ist die Initiative wohl an der Forderung nach einer Unverkäuflichkeit des Schweizer Goldes durch die Nationalbank. Diese „Flexibilität“ wollte man der Schweizer Nationalbank nicht nehmen.

So ganz unschuldig bin ich nicht an dieser Initiative. Denn die ersten Überlegungen zu dieser Volksinitiative wurden bereits im Sommer 2011 geboren. Damals war ich zu einem Vortrag zum Thema: „Das Zentralbank-Monopol muss fallen!“ in der Schweizer Hauptstadt Bern eingeladen. Im Anschluss daran lud der Gastgeber Johannes Müller zu einem Gespräch unter anderem mit den späteren Initiatoren ein. Damals war jedoch noch die Überlegung, einen Goldfranken in Form einer Goldmünze als weiteres gesetzliches Zahlungsmittel neben dem Papiergeld zu initiieren. Das wäre wohl auch ein „geschmeidigerer“ Vorschlag gewesen.

Im nachhinein ist man natürlich immer schlauer, aber mir erschien der Gedanke eines Goldfrankens plausibel. Denn heutzutage kennt die übergroße Mehrheit sich nicht mit Währungsfragen, der Entstehung des Papiergeldes und seiner zerstörerischen Wirkung für Marktwirtschaft und Freiheit aus. Deshalb ist ein Übergang von jetzt auf gleich per Gesetz oder Volksinitiative nicht sehr wahrscheinlich. Die Bürger müssen sich an neues und gutes Geld erst gewöhnen, Erfahrungen sammeln und die Vorzüge schätzen lernen. Das geht nicht von heute auf morgen. Daher wäre der Goldfranken als Goldmünze, die als Zahlungsmittel zusätzlich von der Schweizer Nationalbank emittiert worden wäre, wohl die positiv besetztere Variante gewesen, um Gold als ultimatives Geld auch im täglichen Gebrauch hoffähig zu machen.

Die Erkenntnis aus dem Scheitern der Schweizer Initiative ist, dass jetzt nicht die Konstruktion und Durchsetzung eines neuen Geldsystems Erfolg verspricht, sondern die sofortige Beseitigung aller gesetzlichen Hindernisse, die freies Geld verhindert. So kann sich evolutorisch etwas Neues entwickeln, das wir heute noch nicht kennen.

Denn eines sollte allen Kritikern des bestehenden Geldsystems klar sein: die Befürworter des derzeitigen Fiat-Geldsystems sind erstmal und auf lange Sicht in der großen Mehrheit. Es gibt viel zu viele, die vom Geldsozialismus profitieren. Denn diejenigen, die Schulden halten und von den niedrigen Zinsen profitieren, werden alles dafür tun, dass sich dieser Zustand nicht wesentlich ändert. Und sie alle haben den mächtigsten Partner an ihrer Seite – den Staat. Und der hat am meisten Schulden.

Freundliche Grüße und einen guten Rutsch!

Frank Schäffler

Dieser Beitrag erschien zuerst in meiner Kolumne „Zu guter Letzt“ in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins ‚Smart Investor‚ Ausgabe 1/2015.

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