Währung sichert keinen Frieden

Aus der Debatte „Pro und Contra: Braucht die Europäische Union den Euro?“ in der Braunschweiger Zeitung.

Eine Gegenfrage: Wozu braucht man eine Währung? Geld ist Tauschmittel. Seine einzige Aufgabe ist es, den Austausch von Waren zu ermöglichen. Weitere Funktionen hat Geld nicht – und dürfen ihm nicht zugewiesen werden.

Geld darf nicht die Aufgabe haben, die politische Stabilität der Europäischen Union sichern zu müssen. Geld kann nicht die Rolle eines Friedensgaranten übernehmen. Wer dem Euro eine solche Aufgabe gibt, der hat – mit Verlaub – nicht alle Kleider auf dem Bügel. Zum Beispiel haben sich Tschechien und die Slowakei friedlich aus einer gemeinsamen Währung getrennt. Die sowjetrussische Rubelzone hat sich friedlich aufgelöst. Die Trennung von Währungsräumen führt nicht zwingend zu Krieg. Umgekehrt hat der Dollar die Vereinigten Staaten nicht vor einem Bürgerkrieg bewahren können. Weder konnten gemeinsame Währungen dauerhaft Frieden sichern, noch führte ihre Auflösung zwingend zu Konflikten. Vielleicht können UNO-Blauhelme den Frieden sichern und Konflikte verhindern. Eine Währung kann das nicht. Auch nicht der Euro.

Das europäische Friedensprojekt hängt nicht davon ab, ob einzelne Länder aus dem Euro austreten. Vielfalt zeichnet Europa aus. Wir begegnen dieser Vielfalt bei seinen vielen Kulturen, Traditionen und Sprachen. Es wäre ein Jammer, wenn in Europa nur Deutsch gesprochen würde. Europa kann und muss auf eine einheitliche Sprache verzichten. Europa verkraftet aus dem gleichen Grund unterschiedliche Währungen. Wir müssen die Mitglieder der Eurozone daher nicht auf Gedeih und Verderb mit Zuckerbrot in Form von Hilfskrediten aneinanderketten. Wir brauchen auch nicht die Peitsche der Troika, die sich in interne Angelegenheiten einmischt. Genau das stiftet nämlich Unfrieden, wenn man dem Nachbarn Kredite gibt und ihm dann Vorschriften macht. Stattdessen brauchen wir eine atmende Währung. Die Eurozone sollte ein Club sein, in dem Kommen und Gehen gestattet ist. Ein Club, der bei Regelverstößen Ausschlussregeln kennt. Doch Regelverstöße bleiben heutzutage ungeahndet. Mein Ziel ist nicht ein Europa der Rechtsbrecher, sondern ein Europa des Rechts. Das muss auch für seine Währung gelten.

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