Warum funktioniert die Währungsunion nicht?

Warum funktioniert die Währungsunion in Europa nicht? Sind es die unzulänglichen Regeln, sind es die ökonomischen Ungleichgewichte oder ist es die Aufweichung der Maastricht-Kriterien? Dies alles sind sicherlich wichtige Voraussetzungen für einen Währungsraum, ausreichend sind sie jedoch nicht. Wichtig ist vor allem, dass die Länder des Währungsclubs durch gemeinsame Werte geeint sind und diese Werte leben. An dieser Homogenität mangelt es. Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen.
Die Schweiz gilt als einer der freiesten und erfolgreichsten Staaten der Welt. Es gibt keine Arbeitslosigkeit, ihre Bürger haben im Schnitt eines der höchsten pro Kopf-Einkommen der Welt, die öffentliche Verschuldung ist niedrig und das Land erzielt satte Leistungsbilanzüberschüsse. Für diesen Erfolg gibt es in unserem südlichen Nachbarland keine natürlichen Voraussetzungen. Die Berge sind hoch, die Täler tief, die Böden karg, Rohstoffe sind kaum vorhanden und gefühlt ist das ganze Land die Hälfte des Jahres im Schnee versunken.
Doch gerade diese mangelnden natürlichen Voraussetzungen sind es, die die Bürger und damit das Land so erfolgreich gemacht haben. Sie mussten sich mehr anstrengen als andere. Es war viel schwieriger etwas herzustellen und zu erwirtschaften, Handel zu treiben und sich auszutauschen. Straßen und Schienen mussten über hohe Brücken gebaut oder durch lange Tunnel gegraben werden. Das ist mühsam und teuer. Investitionen mussten daher sorgsam und intensiv geprüft werden. Auch der Wettbewerbsföderalismus ist Ergebnis dieser Entwicklung. Die natürlichen Voraussetzungen zwangen die Menschen sich selbst zu helfen. Nur was man nicht selbst oder in der Nachbarschaft regeln konnte, wurde in der Gemeinschaft des Dorfes oder der Stadt umgesetzt. Die Hauptstadt Bern war weit weg und nur mühevoll zu erreichen. Daraus bildete sich eine gemeinsame Kultur, die sich auf gemeinsame Werte stützt. Die Werte tragen heute noch, darauf baut das Erfolgsmodell Schweiz.
Das andere Beispiel ist Griechenland. Rund vier Jahrhunderte war Griechenland Teil des Osmanischen Reiches und wurde vom Bosporus aus vom dortigen Sultan beherrscht. Zentralismus, Korruption und Vetternwirtschaft waren die Folge. Dieser Staat hat die Menschen über Generationen bis heute geprägt, sie vertrauen ihm ganz zu Recht nicht. Die andere griechische Tradition ist darunter verschüttet. Sie kann wieder zum Vorschein kommen, doch ein Kulturwandel braucht Zeit.
Deshalb waren die drei Jahre viel zu kurz, die man dem griechischen Staat im Frühjahr 2010 geben wollte, um sich zu sanieren. Es war ein ganz absurder Irrglaube, dass man die Hellenische Republik für drei Jahre mit dem „1. Griechenland-Rettungspaket“ vom Kapitalmarkt nehmen und zwischenzeitlich im Schnelldurchlauf Reformen durchführen könne, damit Griechenland sich ab 2013 wieder allein finanziert. Das zeigte schon das 2. Griechenlandpaket im Februar 2012, das den Sanierungsprozess bis 2020 verlängert hat.
Jetzt stellt sich heraus, dass das auch nicht klappt. Vielleicht sollten sich die Retter an der Lateinischen Münzunion zwischen Frankreich, Belgien, Italien und Schweiz orientieren. Diese galt von 1865 an fast 50 Jahre. Griechenland trat 3 Jahre später bei und wurde 1908 vorzeitig wegen Vertragsbruch ausgeschlossen. Das war der Anfang vom Ende der Lateinischen Münzunion. Währungsunionen zerbrechen an ihren inneren Fliehkräften. Da soll noch einer sagen, Geschichte wiederhole sich nicht.

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