Wem nützt die Inflation?

Wem nützt die Inflation?

Für die Freunde der Österreichischen Schule der Nationalökonomie sind die Einsichten des britischen Ökonomen Richard Cantillon (1680-1734) zur Funktionsweise des Geldwesens essentiell. In seinem postum veröffentlichten Werk „Abhandlung über die Natur des Handels im allgemeinen“ beschreibt Cantillon, welche Auswirkungen eine Geldmengenerhöhung auf die Geldhalter hat. Keineswegs ist dieser Vorgang – die Inflation – für alle Geldhalter gleichermaßen von Vorteil. Es profitieren besonders diejenigen, die das frische Geld zuerst erhalten. Insbesondere der Staat und die Geschäftsbanken ziehen den Nutzen aus der Geldmengenerhöhung, zu Lasten der Bürger.

In seinem neuen, sehr lesenswerten Buch „Krise der Geldproduktion“ (Finanzbuchverlag, edition Lichtschlag) belegt Jörg Guido Hülsmann den sogenannten „Cantillon-Effekt“ nun empirisch. Hülsmann vergleicht dazu die Bilanzsummen der deutschen Banken mit dem Bruttoinlandsprodukt des Landes im Zeitverlauf. 1962 betrug das Bilanzvolumen der Banken noch bescheidene 44 Prozent des BIP. Als die Goldbindung des Dollars Anfang der 70er Jahre endgültig gekappt wurde, waren es bereits 127 Prozent. 1992 war das Verhältnis auf 191 Prozent und 2011 auf 329 Prozent angestiegen. Mit der stetigen Geldmengenerhöhung wuchsen die Bilanzen der Banken überproportional an – ganz so, wie es Cantillon prognostizierte.

Mit dem Größenwachstum der Banken steigt auch deren Erpressungspotential gegenüber dem Steuerzahler. Nicht ohne Grund konnte die Deutsche Bank zu Beginn der Finanzkrise 2008 mit einer Eigenkapitalquote im Verhältnis zur Bilanzsumme von unter 2 Prozent wirtschaften. Die implizite Rettungsgarantie durch die EZB und die Bundesregierung macht’s möglich – und der Steuerzahler wird in Geiselhaft genommen! Meine linken Parlamentskollegen werfen uns Marktwirtschaftlern gerne vor, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren. Dabei ist es nicht die Marktwirtschaft, sondern der Geldsozialismus, der die Banken so mächtig macht.

Aus der monatlichen ef-Kolumne.

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