Kolumne: Wir setzen den Morgenthau-Plan um!

Kolumne: Wir setzen den Morgenthau-Plan um!

20140621-151224-54744690.jpgSo langsam wird es ernst. Wenn alles seinen bürokratischen Lauf nimmt, dann werden in wenigen Jahren die Bagger und Kräne auch die Region um Fulda durchpflügen. Denn die Region wird Teil der 800 Kilometer langen neuen Stromautobahn „Suedlink“ von der Nordsee bis nach Nordbayern sein. Sie ist für die so genannte Energiewende notwendig, wenn man will, dass der Windstrom von der Nordsee in das windarme Süddeutschland transportiert werden soll. Bejaht man dies Zusammenhang, dann muss man wohl die schwerwiegenden Natur- und Umwelteingriffe, die Eingriffe in das Eigentum von Land- und Forstwirten und der übrigen Grundbesitzer akzeptieren.


Das wird nicht ganz unsichtbar ablaufen. Immerhin werden die Strommasten mindestens 75 Meter hoch sein und ganze Landschaftsbilder verschandeln. Auch der Wunsch vieler, die Stromkabel unter der Erde zu verlegen, ist nicht ganz ohne. Es handelt sich ja nicht um ein Stromkabel einer Modelleisenbahn, sondern um eine Höchstspannungstrasse. Wird diese in der Erde verlegt, dann bekommt die Erderwärmung eine ganz neue Bedeutung. Zudem gibt es mit der Erdverkabelung einer Höchstspannungsleitung gibt es bislang kaum Erfahrungen. Lediglich auf einigen Kilometern in Berlin wurden diese bislang getestet. Und dazu kommt, dass der Trassenbau dem Aufwand einer Autobahn gleichkommt. Schon allein das geschätzte Investitionsvolumen zeigt, um was es geht. Schätzungen gehen von rund 40 Milliarden Euro Investitionsvolumen für die Energiewende aus, als 500 Euro pro Mann und Maus, die die Verbraucher über den Strompreis bezahlen müssen. Und dies in einer Phase, wo Energie- und damit Stromerzeugung weltweit immer billiger wird – außer in Deutschland.

Wer heute in Amerika ein Stahlwerk baut, hat nur 50 Prozent der Energiekosten wie in Deutschland. Und dabei ist die Befreiung von der EEG-Umlage schon berücksichtigt, jedoch noch nicht die Belastung durch die Umlage für das künftige Investitionsvolumen der Stromtrassen. Das heißt, der Wettbewerbsunterschied zwischen dem Investitionsstandort Deutschland und anderen Ländern auf dieser Welt wird immer größer. Alles folgt nur einem Ziel. Einer ideologischen Energiewende und der Angst vor den Folgen des Klimawandels. Wer rational darüber nachdenkt, muss eigentlich zu zwei Schlüssen kommen.

Erstens: Die Energiewende in Deutschland ist der Morgenthau-Plan für Deutschland im 21. Jahrhundert. Wie einst 1944 der US-Finanzminister Henry Morgenthau im Blick auf die Nachkriegsordnung Deutschland zu einem deindustrialisierten Land machen wollte, so sorgt die Energiewende nach 70 Jahren für eine späte, aber dennoch konsequente Erfüllung dieses Planes. Und wenn es keine „energiefressende“ Industrie mehr in diesem Land gibt, dann ist es auch viel schneller möglich, ehrgeizige Klimaschutzziele zu erreichen. Immerhin benötigt ein Stahlwerk mal so eben den Strombedarf einer mittleren Großstadt pro Jahr. Stahl wird dennoch hergestellt – aber nicht mehr in Deutschland.

Zweitens: Investitionen sind notwendig, um Wertschöpfung in einer Volkswirtschaft zu generieren. Doch Investitionen sind nicht per se gut. Sie können auch als Fehlinvestitionen Kapital vernichten oder es nicht effizient einsetzen. Das ist oft dann der Fall, wenn zentrale Pläne greifen. Insbesondere dann wenn Politiker entscheiden, welche Investitionen richtig oder falsch sind. Das ist eigentlich systemfremd in unserer Wirtschaftsordnung. In einer Marktwirtschaft entscheiden Unternehmer über Investitionen – und ernten den Erfolg ihrer Entscheidung oder haften für Folgen einer möglichen Fehlentscheidung. Die Energiewende ist so ein zentraler Plan, der zu Fehlinvestitionen führt. Es haftet jedoch der Stromkunde, wenn es schief geht. Und es wird schief gehen. Die Fehlinvestitionen binden Kapital, das an anderer Stelle viel besser eingesetzt werden könnte. Die Investitionen in die Energiewende führen zur schleichenden Abwanderung ganzer Industrien mit Hundertausenden von Arbeitsplätzen.

Folie1Wer die Anbindung der überteuerten, nicht-funktionierenden Off-Shore-Windparks in der Nordsee nicht will, muss nicht gleich zur ebenfalls subventionierten Kernkraft zurück. Besser wäre es, wenn wir auf Gas- und Kohlekraftwerke setzen würden, die dezentral im Land verteilt wären und die nicht gigantische Überlandleitungen benötigen. Das wäre für die Landschaftsraum in Fulda und anderswo besser und für den Stromkunden.

Das hätte jedoch eine Voraussetzung: Dass die Energiewende korrigiert wird und der Vorrang von teurem Wind- und Solarstrom aufgegeben wird sowie dass Energie- und Umweltpolitik mit Augenmaß gemacht wird und die Klimaideologie dorthin gebracht wird, wo sie hingehört: in die Mottenkiste der Geschichte.

Dieser Beitrag erschien zuerst in meiner regelmäßigen Kolumne „Ich bin so frei!“ in der Fuldaer Zeitung und anschließend im Blog bei Huffington Post.

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