Zerstörung des Sparvermögens

Interview mit Smart Investor vom August 2011

Smart Investor: Herr Schäffler, im Jahre 2010 fielen Sie der breiteren Öffentlichkeit erstmalig mit Ihrer Kritik an der sogenannten Griechenland-Hilfe auf. Was trieb Sie um?
Schäffler: Die Sorge um eine freiheitliche Gesellschaft. Was wir machen, wird unweigerlich zu einer großen Inflation führen. Denn bei der Krise handelt es sich um eine Überschuldungskrise von Staaten und Banken, die wir mit noch mehr Schulden lösen wollen. Am Ende zerstört dies das Sparvermögen der Bürger und damit die Mitte der Gesellschaft.

Smart Investor: Selbst Ihre eigene Partei, die FDP, tut sich mit Ihrer Linie schwer. Haben inzwischen sogar die Liberalen Angst vor Freiheit, Markt und Selbstverantwortung?
Schäffler: Bei der Griechenland-Hilfe am 7. Mai letzten Jahres war ich der einzige FDP-Abgeordnete, der im Parlament dagegen stimmte. Beim Euro-Rettungsschirm am 21. Mai letzten Jahres waren es schon zwei und ein weiterer enthielt sich. Beim FDP-Bundesparteitag im Mai in Rostock in diesem Jahr beantragten mit mir bereits 14 Bundestagsabgeordnete eine Ablehnung des Euro-Rettungsschirms und eine Austrittsmöglichkeit aus dem Euro. Am Ende votierte immerhin ein Drittel der Delegierten für unsere Initiative. Also wächst mit jeder weiteren „Rettung“ die Bewegung innerhalb der FDP.

Smart Investor: Zwar bekennen sich inzwischen einige Abgeordnete zu Ihren Positionen, aber was ist mit dem Rest?! Überzeugen Ihre Argumente nicht, oder fehlt es den Parlamentariern an der viel beschworenen Zivilcourage?
Schäffler: Viele glauben an die Gestaltungskraft der Politik und verkennen die Ursache der Krise. Die Regierungen mit dem billigen Geld der Notenbanken verursachen diese Krisen, die anschließend in immer kürzeren Abständen und mit immer größeren „Rettungspaketen“ bekämpft werden.

Smart Investor: Trotz unablässiger Propaganda ist die Bevölkerung stabil gegen jegliche Art von „Rettungsmaßnahmen“ für Schuldenstaaten. Welches Volk repräsentieren Regierung und Bundestag eigentlich?
Schäffler: Das Auseinanderdriften zeigt mir, dass wir mehr Elemente der direkten Demokratie brauchen. Mit der Kollektivierung der Schulden in Europa wird das Demokratieprinzip unseres Grundgesetzes ausgehebelt, ohne dass die Bevölkerung in Deutschland jemals gefragt wurde. Das untergräbt zutiefst das Vertrauen in unsere freiheitliche Demokratie.

Smart Investor: Der SPIEGEL erklärte seinen Lesern kürzlich auf zwei Seiten, wie unwichtig und weltfremd Sie seien, und mokierte sich vor allem über Persönliches. Kränkt Sie so etwas, oder ehrt es Sie vielleicht sogar?
Schäffler: Nein, dass der „SPIEGEL“ über meine Position zu einer marktwirtschaftlichen Geldordnung berichtet, zeigt, dass über die Ursachen der Krise und ihre Lösungswege auch im Mainstream berichtet wird. Das zählt und ist entscheidend.

Smart Investor: Sie sprechen im Zusammenhang mit der Griechenland-„Rettung“ von einer Währungsreform. Warum?
Schäffler: Weil die Grundlagen des Euro und die Unabhängigkeit und Stabilitätsorientierung der EZB durch den Ankauf von Ramschanleihen zerstört wurden. Die Verschuldungskriterien der Mitgliedsstaaten werden nicht angewendet. In der Folge kam es zum Bruch der Nichtbeistandsklausel durch die „Rettungspakete“, die einer Haftungsübernahme für die überschuldeten Staaten gleichkommt. Daher halte ich den Begriff „Währungsreform“ für angebracht.

Smart Investor: Vielen Dank für das Gespräch.

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